Freizeit

Konstruktiver Journalismus im Stresstest

Baden (OTS) – Nachrichten bleiben ein zentraler Bestandteil des
Alltags, doch das
Verhältnis zum täglichen News-Konsum ist ambivalent: Einerseits
besteht ein hohes Interesse an aktuellen Ereignissen, andererseits
dominieren negative Emotionen, Überforderung und Skepsis gegenüber
künstlicher Intelligenz. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des
Online Research Instituts Marketagent, für die insgesamt 3.000
Personen in Österreich, Deutschland und der Schweiz befragt wurden.

Zwtl.: Fact Box

Nachrichtennutzung: 86% der Befragten sind (eher) an aktuellen
Nachrichten interessiert. Nur 2,7% zeigen sich völlig uninteressiert.
Die Mehrheit ordnet sich dem pragmatischen Nachrichtentyp zu (36%).
Jede*r Dritte gesteht, häufig nur Schlagzeilen zu konsumieren.

Bevorzugte Kanäle und Themen: TV (49%) bleibt der wichtigste
Nachrichtenkanal, gefolgt von Radio (41%) und Social Media (34%). Bei
den Jungen liegt Social Media bereits klar voran. Chronik und
Innenpolitik werden am häufigsten konsumiert.

Kriterien für Quellenwahl: Objektivität (46%) und kostenlose
Inhalte (45%) sind die Top-Treiber bei der Wahl der
Nachrichtenquelle, gefolgt von Qualität (37%) und Verständlichkeit (
36%).

Frustration und Überforderung: Nachrichten lösen vor allem Sorge
(46%), Ärger (45%) und Frustration (34%) aus – positive Gefühle sind
selten. 67% ärgern sich gelegentlich über die
Nachrichtenberichterstattung, vor allem zu Innenpolitik, Krieg und
Klimakrise. Mehr als die Hälfte fühlt sich durch die Newsflut
überfordert (53%).

Konstruktiver Journalismus: Als zentrale Aufgaben von News-Medien
sieht man die Bereitstellung verlässlicher Informationen (74%) und
die Information über aktuelle Ereignisse (68%). TV (44%) und Radio (
28%) werden am ehesten als konstruktiv wahrgenommen; Social Media nur
von 16% (18-29-Jährige: 31%). Erwartung an konstruktiven
Journalismus: Mehr Perspektiven (59%), mehr Kontext (48%), weniger
Zynismus (47%) und mehr Lösungsorientierung (37%).

Künstliche Intelligenz : Mehr als ein Drittel denkt, dass bereits
bei etwa der Hälfte der Beiträge KI unterstützend eingesetzt wird (37
%). 73% haben weniger Vertrauen in KI-generierte Inhalte. Die große
Mehrheit (81%) wünscht sich eine Kennzeichnung von
Nachrichtenbeiträgen, die unter Zuhilfenahme von KI erstellt wurden.

Zwtl.: Großes News-Interesse – aber oft nur Schlagzeilen

Die große Mehrheit (86%) der Befragten im DACH-Raum ist zumindest
eher an aktuellen Nachrichten interessiert, nur 2,7% zeigen sich
völlig uninteressiert. Die größte Gruppe (36%) zählt sich zum
Nachrichten-Typ „Pragmatiker“: Sie wollen Basisinformationen, ohne
sich in Details zu vertiefen. Ein Viertel bezeichnet sich als
„Nachrichten-Junkies“, während 12% sich selbst als „Muffel“
einstufen. Bedenklich: Jede*r Dritte gibt zu, häufig nur Schlagzeilen
zu konsumieren, ohne die vollständigen Artikel zu lesen. In der
Schweiz trifft das sogar auf fast 4 von 10 Umfrageteilnehmer*innen zu
(39% | AT: 34% | DE: 28%).

Zwtl.: TV bleibt (noch) Leitmedium, Social Media bei Jüngeren voran

Trotz digitaler Konkurrenz bleibt das Fernsehen (49%) der
wichtigste tägliche Nachrichtenkanal, gefolgt von Radio (41%) und
Social Media (34%). Bei den 18- bis 29-Jährigen sind Social-Media-
Plattformen jedoch bereits das mit Abstand meistgenutzte Leitmedium (
52%). Auch die 30- bis 39-Jährigen greifen bei News-Hunger eher zu
Instagram, X und Co. als zur Fernbedienung. Den Status als Leitmedium
verdankt das Fernsehen somit in erster Linie der starken Nutzung
durch ältere Zielgruppen.

Zwtl.: Objektivität und Kostenfreiheit entscheidend

Worauf es bei Nachrichten und Informationen ankommt:
Unabhängigkeit und Objektivität sind für 46% der Befragten das
wichtigste Kriterium bei der Wahl der Nachrichtenquelle, knapp
dahinter rangiert die Kostenfreiheit (45%). Die Qualität der
Berichterstattung (37%) und eine einfache, verständliche Aufbereitung
(36%) folgen auf den Plätzen dahinter.

Zwtl.: Zwischen Sorge, Ärger und Überforderung

Nachrichten sind für viele keine Quelle der Freude. Sie lösen vor
allem Sorge (46%), Ärger (45%) und Frustration (34%) aus. Positive
Gefühle wie Freude (14%) oder Inspiration (18%) bleiben die Ausnahme.
Zwei Drittel der Befragten aus der DACH-Region (67%) ärgern sich
zumindest gelegentlich über die Nachrichtenberichterstattung. Am
meisten Unmut kommt im Ländervergleich in Österreich auf (73% | CH:
64% | DE: 63%). Unzufrieden sind die Menschen in der Dachregion vor
allem mit der Aufbereitung der Nachrichten in den Bereichen
Innenpolitik, Krieg und Klimakrise. Mehr als jede*r Zweite (53%)
fühlt sich manchmal von der Nachrichtenflut überfordert.

Zwtl.: Konstruktiver Journalismus als Hoffnungsträger

Als zentrale Aufgabe von Nachrichtenmedien gilt die
Bereitstellung verlässlicher Informationen (74%), gefolgt vom
Berichten über aktuelle Ereignisse (68%) und der Wissensvermittlung (
58%). TV (44%) und Radio (28%) werden am ehesten als konstruktiv
wahrgenommen, Social Media nur von 16%. Auch hier zeigt sich jedoch
ein deutlicher Generationenshift: In der Gruppe der 18- bis 29-
Jährigen werden TV und Social Media als gleichermaßen konstruktiv
bewertet, während bei älteren Zielgruppen das Fernsehen noch deutlich
besser abschneidet als Facebook, X und Co.

Die Erwartungen an konstruktiven Journalismus sind klar: 6 von 10
sprechen sich für mehr Perspektiven und dadurch objektivere
Berichterstattung aus (59%). Knapp die Hälfte wünscht sich mehr
Kontext, um komplexe Themen im größeren Zusammenhang zu erklären (48%
). Genau so viele fordern weniger Zynismus und Angstmacherei (47%).
Fast 4 von 10 vermissen das Aufzeigen von Lösungen und langfristigen
Entwicklungsmöglichkeiten (37%).

„ Das Informationsbedürfnis ist ungebrochen, gleichzeitig wächst
der Wunsch nach mehr Einordnung und weniger Schlagzeilengetöse.
Unsere Studie macht deutlich: Zwischen Frustration über die
Berichterstattung und Überforderung durch die Newsflut steigt die
Sehnsucht nach einem konstruktiven Journalismus, der Probleme nicht
nur benennt, sondern auch Lösungen, Perspektiven und Hoffnung
aufzeigt “, fasst Marketagent-Founder Thomas Schwabl die Datenlage
zusammen.

Zwtl.: KI im Journalismus: Misstrauen überwiegt

Die Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass Künstliche
Intelligenz im Journalismus bereits in Verwendung ist. Mehr als ein
Drittel (37%) glaubt, dass KI bei etwa der Hälfte der Beiträge
unterstützend eingesetzt wird. Fast ein Fünftel ist der Ansicht, dass
Nachrichtenbeiträge bereits fast flächendeckend und in hohem Ausmaß
KI-generiert sind (18%).

Die Skepsis gegenüber KI in der Presse ist jedoch groß: Fast zwei
Drittel (64%) empfinden KI-generierte Nachrichten als wenig bis gar
nicht konstruktiv und 73% haben weniger Vertrauen in KI-Inhalte.
Entsprechend deutlich ist der Wunsch nach Transparenz: 81% fordern
eine klare Kennzeichnung von KI-generierten Nachrichtenbeiträgen.

„ Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Journalismus – das
spüren die Menschen. Vertrauen entsteht aber erst, wenn offengelegt
wird, wo KI im Spiel ist, und wenn Inhalte nachvollziehbar bleiben.
81% sprechen sich in unserer Studie für eine klare Kennzeichnung von
KI-generierten Beiträgen im Journalismus aus. Transparenz ist damit
der Schlüssel, um Akzeptanz zu schaffen “, so Andrea Berger ,
Research & Communications Manager bei Marketagent.