Wien (OTS) – Berlin 1943: Der 20-jährige Cioma Schönhaus lebt im
Untergrund und
fälscht Ausweise für sich und andere Jüdinnen und Juden. Originale
Tonaufnahmen von Schönhaus führen durch das neue Dokudrama „Der
Passfälscher – Widerstand im Untergrund“ von Elin Carlsson und Sigrun
Laste, das im Rahmen des ORF-Schwerpunkts zu den Novemberpogromen
1938 (Details unter presse.ORF.at) am Freitag, dem 7. November 2025,
um 22.35 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON die Geschichte von Widerstand
und der Sehnsucht eines jungen Menschen nach Selbstbestimmung im NS-
Regime erzählt. Um 23.20 Uhr folgt Robert Gokls „Menschen & Mächte“-
Dokumentation „Alter Hass, neuer Wahn – Antisemitismus – Geschichte
eines tödlichen Vorurteils“, um 0.10 Uhr Steven Spielbergs vielfach
preisgekröntes Meisterwerk „Schindlers Liste“ mit Liam Neeson und Ben
Kingsley.
Der Zweite Weltkrieg tobt im vierten Jahr. Der Holocaust ist in
vollem Gang. Mehr als 50.000 Berliner Jüdinnen und Juden werden
verschleppt. Auch die Eltern von Cioma Schönhaus erhalten einen
Deportationsbefehl. Weil er selbst noch nicht auf der Liste steht,
taucht Cioma Schönhaus, so wie Tausende andere auch, unter. Als
begabter Zeichner fälscht Schönhaus Ausweisdokumente, die ihm und
anderen Jüdinnen und Juden eine scheinbar legale Identität
verschaffen. Er arbeitet mit dem protestantischen Widerstandsnetz
„Bekennende Kirche“ zusammen und verhilft Hunderten Verfolgten zur
Flucht.
Für seine Arbeit als Passfälscher braucht Cioma Schönhaus Original-
Ausweise von sogenannten „arischen“ Deutschen: offizielle Kennkarten.
Das, was man heute unter einem Personalausweis versteht. Cioma
Schönhaus tauscht die Fotos auf den Ausweisen aus und zeichnet den
Reichsadler samt Hakenkreuz auf das neue Foto. In der „Universum
History“-Doku versucht die Restauratorin Hildegard Homburger einen
Ausweis nach der „Methode Schönhaus“ zu fälschen. „Man hat pro Stück
eigentlich nur einen Versuch, um ein gutes Ergebnis hinzukriegen“,
stellt sie dabei fest.
Schönhaus ist fest entschlossen, nicht in die Fänge der
Nationalsozialisten zu geraten. Welche Überlebensstrategie er
entwickelt hat und wie er mit dem Druck der ständigen Gefahr
umgegangen ist, erzählt er viele Jahre später seinem Sohn Sascha. Der
erinnert sich: „Er hat gesagt: So funktioniere ich. Ich mache dies,
ich lebe diesen Plan, bis ich merke, hier kommt die Einbahnstraße.
Dann wird der Plan geändert.“ Ein folgenschwerer Fehler zwingt Cioma
Schönhaus dazu, seinen Plan zu ändern. Er flüchtet mit dem Fahrrad
mehr als 800 Kilometer quer durch Deutschland in die Schweiz.
Getragen von der Originalstimme des Protagonisten erzählt „Der
Passfälscher – Widerstand im Untergrund“ die Geschichte einer
unerschrockenen Persönlichkeit, die sich in Lebensgefahr begibt, um
andere vor dem Holocaust zu retten.
Menschen & Mächte: „Alter Hass, neuer Wahn – Antisemitismus –
Geschichte eines tödlichen Vorurteils“ (23:20 Uhr ORF 2)
„Die Judenfratzen – hau ma’s gleich ins Feuer!“ Die Pogromnacht des
9. November 1938 machte klar, dass auch im Österreich des 20.
Jahrhunderts Nachbarn zu mörderischen Menschenjägern werden konnten.
Seit dem Mittelalter zieht sich eine Blutspur des Judenhasses durch
die österreichische Geschichte. Robert Gokl analysiert in „Menschen &
Mächte“ Ursachen und Folgen des gewalttätigen Antisemitismus und
dokumentiert, dass antisemitische Vorurteile und Judenhass nach 1945
weiter wirkten. Heute findet der alte antisemitische Wahn neue Formen
in der Hasskultur des Internets, in Social Media und Darknet. Die
Antisemitismus-Studien des österreichischen Parlaments zeigen, wie
weit verbreitet antisemitische Verschwörungsmythen, Holocaust-
Verharmlosung oder Antizionismus sind, sowohl in der österreichischen
Bevölkerung wie auch bei Migrantinnen und Migranten.