Kühe und Wanderer: Sichere Begegnungen auf der Alm

Innsbruck (OTS) – Was tun, wenn der Wanderweg über eine Almweide
führt oder eine
Kuhherde den Weiterweg versperrt? Was, wenn die Herde beunruhigt auf
den mitgeführten Hund reagiert? Erst vergangenen Sonntag wurde ein
Ehepaar in Osttirol von einer Kuhherde attackiert. Der
Österreichische Alpenverein gibt Empfehlungen, wie Wandernde riskante
Situationen mit Weidetieren vermeiden und im Ernstfall richtig
reagieren können.

Die Wandersaison ist angelaufen und mit den steigenden
Temperaturen geht es nun auch für das Weidevieh auf „Sommerfrische“
in die Berge. Viele Wanderwege führen somit wieder über
bewirtschaftete Almweiden – mit Potenzial für heikle Situationen.
„Zwischenfälle mit Kühen gibt es leider jedes Jahr, meistens zum
Glück mit glimpflichem Ausgang. Der tragische Unfall in Osttirol hat
leider sehr früh in der Saison vor Augen geführt, dass dennoch eine
gewisse Gefahr besteht”, sagt Georg Unterberger, Leiter der Abteilung
Hütten & Wege im Österreichischen Alpenverein und fügt hinzu: „Es
gibt einige Verhaltensempfehlungen, anhand derer Bergsportler:innen
kritische Situationen weitgehend vermeiden können. Angst vor den
Tieren müssen Wandernde keine haben, aber Respekt ist durchaus
angebracht – besonders, wenn Hunde mit dabei sind.“

Zwtl.: 10 Empfehlungen für sichere Begegnungen mit Weidetieren

Erarbeitet von BMLUK, Landwirtschaftskammer, Wirtschaftskammer
und Österreichischem Alpenverein.

1. Kontakt zum Weidevieh vermeiden, Tiere nicht füttern, sicheren
Abstand halten

2. Ruhig verhalten, Weidevieh nicht erschrecken

3. Mutterkühe beschützen ihre Kälber. Begegnung von Mutterkühen
und Hunden vermeiden

„Besonders die Kälber verleiten oftmals zum Streicheln.
Mutterkühe sehen die Annäherung aber möglicherweise als Bedrohung für
ihren Nachwuchs und möchten ihn verteidigen. Deshalb besser von den
Jungtieren Abstand nehmen“, betont der Alpenvereinsexperte, denn eine
Kuhherde sei generell nicht mit einem Streichelzoo zu verwechseln.

4. Hunde immer unter Kontrolle halten und an der kurzen Leine
führen. Ist ein Angriff durch ein Weidetier abzusehen: Sofort
ableinen!

Hunde können von den Rindern als Bedrohung wahrgenommen werden.
Deshalb zur Sicherheit an die Leine nehmen und nicht auf den Weiden
auf Erkundungstour schicken. Frei lassen sollte man den Hund jedoch,
wenn bereits Gefahr droht. Hunde können schneller fliehen – wenn sie
beim Mensch bleiben, rückt dieser unfreiwillig auch in den Fokus.

5. Wanderwege auf Almen und Weiden nach Möglichkeit nicht
verlassen

6. Wenn Weidevieh den Weg versperrt, mit möglichst großem Abstand
umgehen

7. Bei Herannahen von Weidevieh: Ruhig bleiben, nicht den Rücken
zukehren, den Tieren ausweichen

8. Schon bei ersten Anzeichen von Unruhe der Tiere Weidefläche
zügig verlassen

Alarmsignale sind ein Senken des Kopfes sowie Scharren oder
Brüllen. In einem solchen Fall Ruhe bewahren und die Weide mit Blick
auf die Tiere verlassen.

9. Zäune sind zu beachten! Falls es ein Tor gibt, dieses nutzen,
danach wieder gut schließen und Weide zügig queren

10. Begegnen Sie den hier arbeitenden Menschen, der Natur und den
Tieren mit Respekt

Zwtl.: Herdenarten verhalten sich unterschiedlich

Bei der Einschätzung des Risikos hilft es, auf die Herdenarten zu
achten, die sich aufgrund ihrer Zusammensetzung unterschiedlich
verhalten. Eine Mutterkuhherde besteht aus Muttertieren und ihren
Kälbern. Die Mutterkühe haben einen ausgeprägten Schutzinstinkt und
verteidigen impulsiv ihre Kälber. Sind auch Stiere dabei, ist
besondere Vorsicht geboten. Die Jungtierherde wiederum ist vor allem
übermütig, sehr bewegungsfreudig und neugierig. Die Tiere sind nicht
aggressiv, aber durch ihren Übermut kann es rasch zu unkontrollierten
Bewegungen kommen. Die klassische Milchkuh-Herde ist intensiven
Kontakt zum Menschen gewöhnt, schließlich werden die Tiere täglich
gemolken. Trotzdem wollen sie ungestört grasen und ihren Auslauf auf
der Alm genießen.

Zwtl.: Alpenvereinspräsident: Friedliches Miteinander ermöglichen

Wolfgang Schnabl, ehrenamtlicher Präsident des Österreichischen
Alpenvereins, ist überzeugt, dass Almen und Wandergebiete einander
bereichern und ein Miteinander durchaus zu bewältigen ist: „Die Alm
ist fester Bestandteil unserer alpinen Kulturlandschaft und es liegt
in der Natur der Sache, dass die Wanderwege auch durch Weidegebiete
führen – viele Wegekilometer sind schließlich aus alten Alm- und
Viehtriebwegen entstanden. Wege zu verlegen oder durch Zäune
abzutrennen wäre weder realistisch noch zielführend. Wir sind
überzeugt, dass ein umsichtiges Verhalten auf den Wanderwegen dazu
beitragen kann, Konflikte zu vermeiden, die traditionelle
Almwirtschaft zu erhalten und zugleich unbeschwerte Naturerlebnisse
in den Bergen zu sichern.”

Weitere Informationen:

– Sichere Almen: www.sichere-almen.at

– Mehr zum Thema auf alpenverein.at:
www.alpenverein.at/portal/huetten-wege/sichere-almen/sichere-
almen.php

Passendes Bildmaterial zum Download im Pressebereich:
www.alpenverein.at/presse