Freizeit

45. WdF-Einkommensstudie zu Management-Gehältern & Gender-Gap

Österreich (OTO) – Für die Erstellung der 45. WdF-Einkommensstudie
wurden die Angaben
von 632 Führungskräften aus der ersten und zweiten Führungsebene
durch das Marktforschungsinstitut TRICONSULT gesammelt und
ausgewertet. Die Studie wurde durch die Kanzlei Drachsler-Linzer
notariell begleitet.

Besonders belastende Kostenbereiche

Zwei Kostenbereiche sind es, die von den österreichischen
Führungskräften derzeit als besonders belastend erlebt werden: Löhne
und Lohnnebenkosten, also die Kosten vor Arbeit. Jeweils mehr als
zwei Drittel der Befragten nennen diese beide Aspekte als besonders
belastend.

Energiekosten liegen in dieser Aufzählung der Grausamkeiten der
Wettbewerbsfähigkeit gleichauf mit den regulatorischen Auflagen und
den Bürokratiekosten sowie den Steuern und Abgaben. Jeweils 44% der
Befragten nennen diese Kostenbereiche als sehr belastend.

Gesamteinkommen

Das Jahreseinkommen der Führungskräfte der ersten Führungsebene
ist im Jahresabstand um 4,3% auf 273.900 Euro gestiegen und erreicht
damit wieder das Kaufkraftniveau des Jahres 2016. Nach vier Jahren
Reallohnverlust ist das ein inflationsbereinigtes Plus von 0,8%.

Die zweite Ebene erzielt ein Jahresgesamteinkommen von 171.300
Euro, um 0,7% mehr als 2024. Inflationsbereinigt sind das für die
zweite Führungsebene minus 2,7%.

Das Medianeinkommen beträgt in der ersten Führungseben 220.000
Euro und in der zweiten Führungsebene 150.000 Euro. Im Vergleich dazu
betrug das Medianeinkommen laut Statistik Austria von Angestellten im
Jahr davor (2024) 65.771 Euro brutto und das von Beamt*innen 75.729
Euro. Das ist eine Steigerung von 8,1% gegenüber dem Vorjahr.

Seit 2020, dem bisherigen Höhepunkt der valorisierten Kaufkraft
der Top-Führungskräfte, belaufen sich die realen (
inflationsbereinigten) Verluste auf rund 14%.

Netto verdienen die Top-Manager*innen im Schnitt der hier
berücksichtigten 426 Befragten der ersten Führungsebene 144.300 Euro,
die der zweiten Führungsebene 94.000 Euro.

Kommentar von Roman Teichert, Bundesvorsitzender des WdF:

„Seit vielen Jahren schafft die WdF-Einkommensstudie Transparenz
über die Vergütung von Führungskräften in Österreich. Die Ergebnisse
2026 zeigen ein klares Bild: Führungskräftegehälter entwickeln sich
nicht losgelöst von der wirtschaftlichen Realität. Vergütet werden
Verantwortung, Unternehmenserfolg und Leistung – nicht Positionen
allein. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass die
Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich zunehmend darüber
entscheidet, ob Unternehmen investieren, Talente halten und
attraktive Führungsarbeitsplätze schaffen können. Faire, transparente
und leistungsorientierte Vergütung ist deshalb nicht nur eine Frage
der Einkommen, sondern auch der Zukunft unseres
Wirtschaftsstandorts.“

Kommentar von Wolfgang Hammerer, Bundesgeschäftsführer des WdF:

„Die Einkommen der österreichischen Führungskräfte wachsen
marktkonform, hinken aber im internationalen Vergleich nach. Es ist
für den Wirtschaftsstandort nicht unwesentlich, auch in der Frage der
Manager*innengehälter konkurrenzfähig zu sein. Sie müssen die
Aufgaben, Leistung, Verantwortung und Risiken abbilden, unabhängig
vom Geschlecht oder Herkunft.“

Das Gesamteinkommen der Manager*innen der ersten Führungsebene
setzt sich aus einem höheren Grundgehalt (von 190.300 Euro auf
203.300 brutto) und den variablen Bestandteilen zusammen, die sich im
Schnitt auf 92.600 Euro brutto belaufen. 63% (nach zuletzt 59%) der
Führungskräfte erhalten einen variablen Gehaltsbestandteil, im
Schnitt deutlich weniger als die zuvor erreichten, 98.900 Euro,
nämlich 92.600 Euro. Weitere 21% erhielten zusätzliche
Geldleistungen, die dabei im Schnitt 62.000 Euro ausmachten.

Unternehmen sicher durch die Krisen zu steuern, steht im
Vordergrund

Es ist die einzigartige Erhebung des WdF, die seit Jahren klar
zeigt, wieviel Führungskräfte in Österreich tatsächlich verdienen. In
Österreich herrscht eine gewisse Neiddiskussion, die „die da oben“
adressiert, behauptet dass Managerinnen und Manager zu viel
verdienen. Diese Verantwortung zu tragen und ihr gerecht zu werden,
wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Nach wie vor gilt es in erster
Linie, das Unternehmen in Zeiten multipler Krisen auf Kurs zu halten.
Hauptkriterien für die Bezahlung erfolgsabhängiger Zahlungen sind in
erster Linie Gewinn und Zielerreichung.

Die Einkommen der Top-Manager*innen sind in erster Linie von
Leistung und dann natürlich vom Umfang der Verantwortung abhängig.
Das zeigt sich deutlich in der Gliederung nach Umsatzklassen. Dabei
zeigt sich aber auch, dass die größten Unternehmen erneut
zurückhaltender agieren als die umsatzschwächeren Gruppen

Frauen im Management

Das WdF hat vor einem Jahr die Initiative „Women Leadership
Alliance“ gestartet. Diese Aktivität soll sich auch in der
Einkommenserhebung niederschlagen. Der Anteil an Frauen in der
Stichprobe dieser Untersuchung kann sukzessive gesteigert werden.
Aktuell sind es 95 von 632 Respondent*innen Diese befragten Frauen
verdienen im Schnitt deutlich mehr als ihre Kolleginnen im
Jahresabstand. Das ist aber kein belastbares Ergebnis, da bei so
kleinen Samples schon einige wenige Befragte das Ergebnis in die eine
oder andere Richtung massiv beeinflussen können.

Was wir aber bei dieser Stichprobe analysieren konnten, sind die
strukturellen Unterschiede zu den befragten Männern. In der
Stichprobe sind die befragten Frauen jünger, weniger lange im
Unternehmen, haben deutlich seltener technische Ausbildungen und sind
viel seltener in CEO-Funktionen. Diese strukturellen Unterschiede
gilt es in den kommenden Erhebungen aufzufangen; dazu ist aber auch
eine Weiterentwicklung der Führungsstrukturen in den österreichischen
Unternehmen notwendig.

Wandel bei Firmenautos

Die immer wieder umstrittenen Symbole der Führungskräfte – die
Firmenautos – unterliegen einem eklatanten Wandel. Nicht nur, dass
die alternativen Antriebsformen Hybrid und Elektro die
Kohlenwasserstoffe deutlich überholt haben, sind es mittlerweile 23%
der ersten und 19% der zweiten Führungsebene, die mit einem
Klimaticket des Arbeitgebers in Österreich unterwegs sind.

Mobilität als Voraussetzung

Mehr als 15 Überstunden im Schnitt pro Woche, in 66% der Fälle
Verantwortung für weitere Unternehmensstandorte: Von den Top-Manager*
innen wird auch physisch viel verlangt. Die Arbeitgeber honorieren
die Mobilität ihrer Führungskräfte. Wer mehr als 80 Tage pro Jahr
unterwegs ist bezieht mehr als das doppelte Einkommen der Kolleg*
innen, die nur (sehr) wenig unterwegs sind.

Besonders belastende Kostenbereiche

Löhne und Lohnnebenkosten, also die Kosten vor Arbeit, belasten
die Führungskräfte am meisten. Jeweils mehr als zwei Drittel der
Befragten nennen diese beide Aspekte als besonders belastend.

Energiekosten liegen gleichauf mit den regulatorischen Auflagen
und den Bürokratiekosten sowie den Steuern und Abgaben. Jeweils 44%
der Befragten nennen hier diese Kostenbereiche.

Auswirkungen auf die Investitionen

Von den Kosten für Energie und Abgaben lassen sich 28% bei ihren
Investitionsplänen überhaupt nicht beeindrucken, die Investitionen
werden in jedem Fall getätigt. 58% aber investieren zurückhaltender,
wobei aber lediglich 17% deutliche Reduktionen des Volumens
vornehmen. Es ist daher nicht erstaunlich, dass 37% der Befragten
diese Kostengruppe als wesentliche Einflussgröße bei
Standortentscheidungen sehen.

Über das WdF

Das Wirtschaftsforum der Führungskräfte (WdF) wurde 1979
gegründet und vertritt rund 3.000 Manager und Entscheidungsträger aus
allen Ebenen und ist somit Österreichs größtes parteipolitisch
unabhängiges Führungskräftenetzwerk. Das WdF bietet
branchenübergreifenden Austausch und ein tragfähiges Netzwerk zur
fachlichen Unterstützung von Führungskräften und
Nachwuchsführungskräften (Young Leaders Forum). Neben zahlreichen
Umfragen, wie u.a. der Einkommensstudie, werden eine Reihe von
Veranstaltungen und Aktivitäten zur Arbeitswelt der Führungskräfte
durchgeführt.