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EU-Kommission auf Irrwegen: Mini-Kernreaktoren als teures Hirngespinst

Wien (OTS) – Steht Atomkraft in Europa tatsächlich vor einer
Rennaissance?
Mitnichten! Die EU-Kommission hält aktuell eisern am Plan fest, in
den kommenden Jahren in ganz Europa sogenannte SMR (Small Modular
Reactors) zu errichten. Wer dieses Vorhaben in welcher Form in die
Praxis umsetzen soll, darüber hat man offensichtlich noch nicht
nachgedacht.

“In den vergangenen drei Jahrzehnten sind genau drei neue
Atomkraftwerke in Europa ans Netz gegangen – mit gigantischen Kosten
und durchwegs langen Bauverzögerungen. Was die EK veranlasst zu
glauben, dass lediglich auf dem Papier existente SMR in großer
Stückzahl gebaut und in Betrieb genommen werden könnten, ist schlicht
nicht nachzuvollziehen. Ein Veränderung der Voraussetzungen ließe
sich lediglich durch pure Magie herbeiführen”, rückt Patricia Lorenz,
Anti-Atomsprecherin bei GLOBAL 2000, die Ausgangsposition an die
richtige Stelle.

Schein-Argumente

Die EU-Kommission liefert für ihre Absichtserklärung drei Gründe.
Warum diese Gründe offensichtlich nur vorgeschoben sind, erklärt
Patricia Lorenz wie folgt:

– Das EU-Ziel bis 2050 CO2-neutral zu werden

Die CO2-Einsparungen pro MWh sind bei SMR ein Weg in die
Sackgasse. Während die LCOE (Levelized cost of electricity) der
Atomenergie ständig steigen, sinken die der erneuerbaren Energien
kontinuierlich. Auch ein kurzer Blick auf die Realität ist
aufschlussreich: Während Polen seit 2013 oder sogar noch früher ein
AKW-Programm vorbereitet, wurden innerhalb weniger Jahre 10 GW
Onshore-Windkraftanlagen installiert, die 24,5 TWh, d. h. 14,5 % des
in Polen verbrauchten Stroms, erzeugen.

– Um Energie-Importe aus Russland zu beenden

Abgesehen von der bekannten Tatsache, dass der für einige SMR
benötigte hochangereicherte Brennstoff nur in Russland hergestellt
wird, sollte die Vorstellung, dass nicht existierende Designs und
Produktionsanlagen zum Ende der Abhängigkeiten beitragen würden,
erklärt und auf Fakten gestützt werden. Eventualitäten wie sie IAEO-
Generaldirektor Grossi ins Felde führt, wonach unter bestimmten
Umständen Strom etwa für die abgelegene Gegenden geliefert werden
könnte, sind kein Grund für derartige Entwicklungsprogramme.

Verbesserung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit der EU

Wenn überhaupt SMR gebaut werden und ans Netz gehen, dürfen sich
Verbraucher:Innen und Industrie darauf einstellen, für Jahrzehnte zur
Kasse gebeten zu werden, während der Markt mit Strom aus Erneuerbaren
und mit hohem Batterieanteil zu fast keinen Kosten für die
europäische Industrie und Dienstleistungen überschwemmt wird, um auf
dem Weltmarkt erfolgreich konkurrieren zu können. Da AKW gleich
welcher Größe nur mit Subventionsprogrammen wie staatlichen Beihilfen
gebaut werden, wird selbst die Einstellung des Baus oder der
Nichtbetrieb der neuen Anlage die Steuerzahler:Innen nicht davor
bewahren, die Rechnung für SMRs zu bezahlen.

Darüber hinaus scheiterten SMR bisher bereits in der Design-
Phase. Nach Jahren von Entwicklungsarbeiten wurde beispielsweise das
Nuward-Design von EDF aufgrund eskalierender Kosten bereits in dieser
frühen Phase eingestellt.

Die einzige Möglichkeit, die Kosten zu senken, die zum großen
Teil auch durch die Bauzeitüberschreitungen entstehen, liegt in der
angekündigten modularen Bauweise. “Modulare Bauweise wird erst durch
entsprechende Fabriken ermöglicht. Diese Fabriken existieren aber
nicht. Die Behauptung, es könnten mehrere SMR in Serie gebaut werden,
ist daher schlicht irreführend. Wir legen unsere Argumente in einer
Stellungnahme der Europäischen Kommission vor und hoffen, dass sie
diese vollkommen sinnlose Förderung der Atomenergie in Form
vermeintlich neuer AKW nicht weiter verfolgt“, so Lorenz
abschließend.

– Link zur Stellungnahme (Englisch)