Freizeit

Neue ÖIF-Befragung „Was denkt Österreich?“: Regeln, Werte, Deutsch und Eigenständigkeit prägen das Integrationsverständnis

Wien (OTS) – Wie bewertet man in Österreich den Zustand der
Gesellschaft? Was
versteht man konkret unter Integration? Welche Erwartungen hat die
österreichische Gesellschaft an Zuwander/innen? Eine neue Befragung
durchgeführt vom Meinungsforscher Peter Hajek, mit einem Vorwort von
Sozialwissenschaftler Prof. Rudolf Bretschneider, befasst sich im
Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) mit den
Einstellungen der österreichischen Bevölkerung zu den Themen
Zusammenhalt, Migration und Integration. Der Forschungsbericht steht
ab sofort auf der ÖIF-Website zur Verfügung.

Zwtl.: Integration durch gemeinsame Regeln, Werte, Sprache und
Eigenständigkeit

Aus Sicht der Befragten zählen zu den wesentlichen Merkmalen
guter Integration die Anerkennung der Gesetze und Regeln (77 %),
Respekt für Werte und Umgangsformen (75 %), gute Deutschkenntnisse (
71 %), Arbeit oder Ausbildung (70 %) und Selbsterhaltungsfähigkeit (
69 %). Je nach Einstellung zu Migration unterscheiden sich die
gesetzten Prioritäten: Während Personen, die Migration eher kritisch
gegenüberstehen, vor allem sprachliche, rechtliche und
arbeitsmarktbezogene Pflichten in den Vordergrund stellen, zählen für
migrationsfreundliche Personen oft stärker soziale und kulturelle
Aspekte wie Vereinsengagement oder Offenheit. Als zentrale
Integrationsprobleme werden Arbeitslosigkeit und Sozialhilfebezug (89
%), die Ablehnung österreichischer Kultur und Werte (89 %),
unzureichende Deutschkenntnisse (89 %) sowie Gewalt im Namen der Ehre
und mangelnder Respekt gegenüber Frauen (90 %) wahrgenommen.

Zwtl.: Sorge um kulturelle Identität Österreichs deutlich gestiegen

Eine wachsende Mehrheit der Befragten hält die Sorge um die
kulturelle Identität Österreichs für berechtigt: Seit 2018 ist der
Anteil von 57 % auf mittlerweile 75 % gestiegen. Laut
Sozialwissenschaftler Prof. Bretschneider ist hier jedoch nicht nur
Migration ein ausschlaggebender Faktor, sondern auch
Modernisierungsdruck, Medienwandel und internationale Krisen. Dazu
passt auch, dass große Migrationsbewegungen mittlerweile als
negativer gesellschaftlicher Einflussfaktor (51 %) etwas hinter
Falschinformationen (54 %), dem politischen Islam (52 %) sowie
weltweiten Kriegen und Konflikten (52 %) wahrgenommen werden. Im
Vergleich zu 2018 ist die Sorge vor großen Migrationsbewegungen von
62 % auf 51 % deutlich gesunken.

Zwtl.: Gespaltene Sicht auf gesellschaftlichen Zusammenhalt / Drei
Viertel sorgen sich um gesellschaftliche Entwicklung

Laut Befragung wird der Zustand des gesellschaftlichen
Zusammenhalts in Österreich unterschiedlich wahrgenommen: Während 48
% ihn als sehr oder eher gut bewerten, sehen ihn in etwa gleich viel
als eher oder sehr schlecht. Positivere Bewertungen kommen
insbesondere von Jüngeren, Höhergebildeten und Menschen mit
Migrationshintergrund. Gesellschaftlichen Zusammenhalt definieren die
Befragten vor allem über die Aspekte friedliches Zusammenleben (69 %)
, Toleranz und Respekt (66 %) sowie Hilfsbereitschaft und
Mildtätigkeit (52 %). Während sich 75 % der Befragten um die
Entwicklung der österreichischen Gesellschaft sorgen, geben
gleichzeitig ebenso viele (75 %) an, mit ihrem persönlichen Leben
zufrieden zu sein. Dass auch technologische Entwicklungen zunehmend
kritisch wahrgenommen werden, zeigt sich insbesondere auch am starken
Anstieg des wahrgenommenen negativen Einflusses von Digitalisierung
und Künstlicher Intelligenz (von 14 % auf 28 %) seit der ersten
Befragung im Jahr 2018.

Zwtl.: Persönliche Erfahrungen überwiegend positiv, gesellschaftliche
Auswirkungen kritischer bewertet

Die meisten Befragten werten persönliche Erfahrungen mit
Migrant/innen je nach Lebensbereich überwiegend positiv. Im Freundes-
und Bekanntenkreis berichten insgesamt 73 % von positiven
Erfahrungen, an Schulen, Ausbildungsstätten oder Universitäten sind
es 70 %, am Arbeitsplatz 62 % und in der Nachbarschaft 58 %.
Gleichzeitig werden die gesellschaftlichen Auswirkungen von
Zuwanderung insgesamt eher kritisch eingeschätzt, insbesondere in
Bezug auf das Sozialsystem (50 %), die öffentliche Sicherheit (47 %),
das Bildungssystem (45 %), den Wohnungsmarkt (41 %) und den
gesellschaftlichen Zusammenhalt (35 %). Positive Auswirkungen werden
am ehesten bei Forschung (24 %) sowie bei Kultur und
Bevölkerungsentwicklung (jeweils 21 %) wahrgenommen.

Generell wird auch das größte gesellschaftliche
Spannungspotenzial zwischen Einheimischen und Zuwander/innen gesehen
(56 %), gefolgt von Links und Rechts (50 %) sowie Arm und Reich (40 %
). 61 % der Befragten stimmen der Aussage voll oder eher zu sich in
einer Gesellschaft wohler zu fühlen, die von großer Einheitlichkeit (
homogene Gesellschaft) geprägt ist (16 % volle und 45 % eher
Zustimmung). Gleichzeitig zeigt sich, dass sich der Anteil jener, die
sich sehr oder eher als Teil der österreichischen Gesellschaft
fühlen, unter Menschen mit und ohne Migrationshintergrund lediglich
um einen Prozentpunkt von 57 % auf 58 % unterscheidet. Allerdings
fühlen sich mit 14 % signifikant mehr Menschen mit als ohne
Migrationshintergrund (7 %) am Rande der Gesellschaft.

Zwtl.: Über die Befragung

Der ÖIF-Forschungsbericht mit dem Titel „Was denkt Österreich?“
wurde bereits zum vierten Mal unter der inhaltlichen Leitung von
Prof. Bretschneider im Auftrag des ÖIF durchgeführt. Analysiert
wurden auf Basis einer repräsentativen Online-Befragung zwischen
Februar und März 2026 die Einstellungen der österreichischen
Wohnbevölkerung im Zusammenhang mit Integration und Zuwanderung. Im
Rahmen der Umfrage 2026 wurden 1.016 Personen mit und ohne
Migrationshintergrund über ein Online-Panel befragt.