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Professionelle Unterstützung für Gesundheitspersonal nach Krisensituationen

Linz / Wien (OTS) – Das AUVA-Unfallkrankenhaus Linz rückt ein Thema
in den Mittelpunkt,
das im Gesundheitswesen lange wenig sichtbar war: das sogenannte
Second Victim Phänomen. Gemeint sind Fachkräfte, die nach kritischen
Ereignissen selbst unter erheblichen seelischen Belastungen leiden.
Ein Fachvortrag im Unfallkrankenhaus Linz zeigte Wege auf, wie
Gesundheitseinrichtungen hier ihre Mitarbeitenden gezielt
unterstützen können.

Das Phänomen und seine Verbreitung

Nach der international anerkannten ERNST Definition (European
Researchers Network on Second Victims) gilt als Second Victim jede
Fachkraft im Gesundheitswesen, die direkt oder indirekt an einem
unerwarteten, unerwünschten Patientenereignis, einem Fehler in der
Versorgung oder einer Patientenschädigung beteiligt ist – und dadurch
selbst beeinträchtigt wird.

Studien belegen, dass ein Großteil der Beschäftigten im Lauf des
Berufslebens zumindest einmal eine solche Situation erlebt. Häufige
Folgen sind innere Unruhe, Schuldgefühle, Schlafstörungen bis hin zu
ausgeprägten Belastungsreaktionen.

Auslöser können sehr unterschiedliche Situationen sein:
aggressives Verhalten von Patientinnen und Patienten, unerwartete
Todesfälle oder Suizide, aber auch unerwünschte Zwischenfälle im
Behandlungsablauf. Das zeigt, dass Second Victims nicht nur in
Ausnahmesituationen entstehen, sondern im fordernden
Versorgungsalltag. Für Einrichtungen bedeutet das, neben der
Patientensicherheit auch die seelische Gesundheit des Personals
konsequent mitzudenken.

Auswirkungen auf das Gesundheitssystem

Second Victim hat damit immer zwei Ebenen: eine menschliche und eine
organisatorische. Fehlende Begleitung nach kritischen Ereignissen
kann zu Rückzug, höheren Krankenständen oder gesteigerter Fluktuation
führen. Eine gelebte Fehler- und Unterstützungskultur wirkt hier wie
ein Schutzschirm – sie hilft Betroffenen, Erlebtes einzuordnen,
entlastet Teams und stärkt die Qualität der Versorgung.

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen hohe
Verantwortung und erhalten nach belastenden Situationen auch die
notwendige professionelle Unterstützung. Moderne Medizin braucht eine
Kultur, in der es selbstverständlich ist, Hilfe anzunehmen“ , betont
Prim. Georg Mattiassich, Ärztlicher Leiter des UKH Linz.

Das UKH versteht Second Victim als festen Bestandteil von
Qualitäts- und Risikomanagement und setzt mit dem Schwerpunkt ein
klares Zeichen für eine mitarbeiterorientierte Sicherheitskultur.
Eine Organisation, die ihre Fachkräfte auch in Krisensituationen
verlässlich begleitet, die Resilienz und das Vertrauen nach innen wie
nach außen stärkt sowie die Patientensicherheit gewährleistet.

„Viele Betroffene zögern, sich innerhalb der eigenen Organisation
zu öffnen. Ein externer, vertraulicher Rahmen senkt diese Hürde
deutlich“ , ergänzt Stephanie Niederhuber. Sie stellte beim
Fachvortrag am UKH Linz das Angebot des Vereins „Second Victim
Österreich“ vor. Der Verein begleitet medizinisches Personal nach
kritischen Ereignissen kostenfrei, anonym und arbeitgeberunabhängig.
Denn wirksame Unterstützung basiert auf mehreren Bausteinen:
Sensibilisierung für das Thema, Schulungen für Führungskräfte,
strukturierte Nachbesprechungen nach kritischen Ereignissen,
kollegiale Peer Support Angebote sowie ein niedrigschwelliger Zugang
zu professioneller psychosozialer Hilfe. Entscheidend ist, dass das
Thema offen angesprochen wird und Betroffene wissen, an wen sie sich
wenden können.