Wien (OTS) – Mit 1. Juli sind Supermärkte verpflichtet, die Senkung
der
Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel auf 4,9 Prozent an
die Konsument:innen weiterzugeben. foodwatch Österreich kündigt nun
ein eigenes Preismonitoring in Zusammenarbeit mit der
Vergleichsplattform preisrunter.at an und wird in den kommenden
Wochen genau beobachten, ob die Entlastung tatsächlich im Geldbörserl
der Menschen ankommt. Mittelfristig muss jedoch eine unabhängige
Preisbeobachtungskommission eingerichtet werden, um Transparenz und
Wettbewerb im Handel sicherzustellen.
Zwtl.: Preisradar der Regierung für Konsument:innen im Supermarkt
kaum anwendbar
Bereits im Jänner hatte foodwatch das von Statistik Austria
veröffentlichte Preisradar kritisiert. Auch jetzt bleiben aus Sicht
der Konsument:innenschutzorganisation zentrale Probleme bestehen:
Viele der von der Steuersenkung umfassten Lebensmittel scheinen im
Preisradar gar nicht auf. Zudem ist das Tool für den direkten
Preisvergleich im Supermarkt kaum geeignet: unübersichtlich, wenig
bediener:innenfreundlich und in der Auswahl der Produkte nicht der
Einkaufsrealität der meisten Menschen entsprechend. Um einen
praktischen Überblick über tagesaktuelle Lebensmittelpreise zu
erhalten, müssen Konsument:innen auf private Vergleichsangebote wie
preisrunter.at zurückgreifen. foodwatch hat bereits eine Anfrage an
das zuständige Ministerium gestellt, um zu sehen wie viele Menschen
tatsächlich das Preisradar der Statistik Austria nutzen.
Zwtl.: Eigenmarken führen zu immer stärkerer Marktkonzentration
Bei einem ersten Monitoring der Preise für Grundnahrungsmittel
war für die Konsument:innenschutzorganisation eines auffällig: Viele
Produkte der Eigenmarken wiesen auf den Cent genau denselben Preis
aus. Das wirft für foodwatch Fragen im Hinblick auf einen
funktionierenden Wettbewerb auf. Für Supermärkte sind Eigenmarken ein
wichtiges strategisches Instrument: Durch die Stärkung der eigenen
Handelsmarken werden Mitbewerber immer mehr verdrängt. Durch Einfluss
auf Preise, Sortiment, Bewerbung und Kommunikation der eigenen
Produkte gegenüber Kund:innen können große Handelskonzerne diese
Marktkonzentration immer weiter ausbauen.
Laut Roll-AMA-Daten stieg der Anteil der Eigenmarken im
Lebensmitteleinzelhandel im Jahr 2025 auf ein Allzeithoch von rund 64
Prozent. Die Auswirkungen treffen am Ende die gesamte
Lebensmittelkette: Lieferanten und Produzenten müssen stärkeren
Preisdruck und Wertverluste hinnehmen, während Konsument:innen
langfristig mit weniger Angebotsvielfalt, sinkender Produktqualität
und höheren Preisen konfrontiert sein können.
„Seit Beginn der Teuerungswelle sind Lebensmittel deutlich
stärker im Preis gestiegen als die Preise insgesamt – besonders
spürbar im Billigsegment, in dem Eigenmarken eine zentrale Rolle
spielen. Gerade angesichts der hohen Marktkonzentration und des
wachsenden Einflusses von Eigenmarken in Österreich braucht es eine
wirksame Kontrolle durch die Behörden. Die Preisgestaltung im
Supermarkt gleicht einer Black Box. Wenn viele Grundnahrungsmittel im
Eigenmarken-Billigsegment bei den beiden größten Handelsketten in
Österreich auf den Cent genau denselben Preis haben, wirft das
erhebliche Fragen zum Wettbewerb auf” , so Markus Linkeseder von
foodwatch Österreich.
Zwtl.: Preisgestaltung als Black Box – Forderung nach unabhängiger
Preisbeobachtungskommission
Laut Handelsverband soll sich der Wettbewerb speziell für
Einkommensschwache positiv auf die Preise in den Regalen auswirken.
Für foodwatch ist die großteils völlig idente Preisgestaltung bei den
Eigenmarken ein deutliches Warnsignal in puncto fairem Wettbewerb.
Andere Länder zeigen, dass Preisbeobachtung und Transparenz entlang
der Wertschöpfungskette möglich sind.
Für foodwatch ist klar: Auch Österreich braucht eine unabhängige
Preisbeobachtungskommission, die Preisentwicklungen, Margen und
Marktverhalten im Lebensmittelhandel systematisch, unabhängig und
regelmäßig im Sinne der Menschen kontrolliert. „Die Konsument:innen
haben immer, aber gerade in Zeiten der Teuerung ein Recht auf
leistbare Lebensmittel und Transparenz bei der Preisgestaltung. An
einer unabhängigen Preisbeobachtungskommission führt kein Weg vorbei,
wenn wir Konsument:innen beim Lebensmitteleinkauf wirklich entlasten
wollen” , so Linkeseder abschließend.
Weiterführende Informationen:
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