Wien (OTS) – Anlässlich des bevorstehenden Tags der Pflege (12. Mai)
diskutierten
gestern (Donnerstag, 7. Mai) Expertinnen die Lage von pflegenden
Angehörigen als Basis des Gesundheits- und Pflegesystems. Da der
Großteil der über 1 Mio. Betroffenen in Österreich mehrere berufliche
bzw. familiäre Verpflichtungen zu schultern hat, wurde der Titel „(Un
-)Vereinbar?“ gewählt.
Die Veranstaltung als Initiative von „ Alles Clara – die App, die
Pflegen leichter macht “ brachte maßgebliche Stakeholder aus dem Feld
von Pflege und Betreuung im „Gleis 21“ in Wien zusammen. Insgesamt
über 80 Gäste vor Ort und im Livestream erlebten eine sehr engagiert
geführte Diskussion der Expertinnen Elisabeth Anselm (
Geschäftsführerin des Hilfswerk Österreich, Vorsitzende der
Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt), Iris Appiano Kugler (
Leiterin der Abteilung Arbeitsmarktpolitik für Frauen im AMS
Österreich), Martina Mayr (Betriebspsychologin bei der Wiener
Städtischen) und Birgit Meinhard-Schiebel (Präsidentin der IG
Pflegender Angehöriger).
Gudrun Egger (Vorstandsmitglied der ERSTE Stiftung) betonte in
ihrer Begrüßung: „Pflegende Angehörige leisten einen wesentlichen
Beitrag der Versorgung in Österreich. Sie machen das oft zusätzlich
zu Beruf und Familie, unbemerkt von der Öffentlichkeit und ohne
konkrete Unterstützung. Mit Alles Clara versuchen wir sie gemeinsam
mit Partnern dabei zu unterstützen und somit einen Beitrag zur Lösung
dieser gesamtgesellschaftlichen Herausforderung zu leisten.“ Die
Veranstaltung wurde mit Unterstützung des Sozialministeriums
umgesetzt; eine Aufzeichnung der Diskussion ist kostenlos abrufbar.
Schwerpunkte der Diskussion waren die soziale Absicherung
pflegender Angehöriger, die Verfügbarkeit von Entlastungsangeboten,
die Situation von „Young Carers“ (Kinder und Jugendliche, die
Angehörige pflegen), das Zusammenwirken von Pflege und
Gesundheitswesen und die psychischen Belastungen der pflegenden
Angehörigen. Iris Appiano Kugler richtete den Fokus auf die
demographische Entwicklung: „Beim Thema Pflege kumulieren mehrere
problematische Entwicklungen und Fakten. Die Gesellschaft wird
insgesamt älter: Langfristig bis 2080 nimmt die Zahl der über
65Jährigen um die Hälfte zu. Gleichzeitig nimmt die
Erwerbsbevölkerung in Österreich insgesamt ab, plus der Trend eher
höhere Ausbildungen zu absolvieren, womit auch die Fachkräfte auch in
der Pflege fehlen.“ „Pflege von Angehörigen ist für viele
Erwerbstätige Realität, bleibt im Arbeitsalltag jedoch oft unsichtbar
– umso wichtiger ist es, rechtzeitig vorzusorgen, um Angehörige im
Ernstfall spürbar zu entlasten“, erklärte Martina Mayer.
Auf eine besondere Herausforderung wies Birgit Meinhard-Schiebel
hin: “Alleinerziehende pflegende Angehörige von erwachsenen Kindern
mit schweren chronischen Erkrankungen oder einer Behinderung dürfen
mit ihnen gemeinsam nicht in prekäre Lebenssituationen gedrängt
werden.” Elisabeth Anselm verwies auf internationale Vorbilder:
„Andere Länder zeigen vor, was möglich ist: Pflegende Angehörige
brauchen mehr bedarfsgerechte und leistbare Unterstützungsangebote!
Und sie brauchen auch dringend weniger Bürokratie!“
Nicole Traxler (Geschäftsführerin von Alles Clara) stellte
abschließend die 2. Auflage des „Leitfadens zur Vorbereitung auf
Naturkatastrophen für pflegende Angehörige“ vor. Die Publikation
wurde von Alles Clara initiiert und wurde gemeinsam mit dem Disaster
Competence Network Austria, der Interessengemeinschaft pflegender
Angehöriger, Lobby4Kids – Kinderlobby und dem Österreichischen
Zivilschutzverband realisiert. Die Langfassung bietet detailliertere
Ausführungen, Beispiele, Hintergründe und weiterführende Hinweise.
Die deutsche Kurzfassung des Leitfadens wurde nun auch auf Englisch,
Arabisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Rumänisch, Slowakisch und
Türkisch übersetzt. Genauso wie die Beratung kann dies auch die
Arbeit von 24-Stunden-Betreuer:innen erleichtern. Zum Download:
https://www.alles-clara.at/ressource/leitfaden-zur-
katastrophenvorsorge-alle-versionen/
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