Wien (OTS) – Wie gut ist die österreichische Bevölkerung über die
Trinkwasserversorgung informiert? Wie groß ist das Bewusstsein für
mögliche Wasserknappheit? Und welche Maßnahmen erwarten sich die
Menschen von der Politik?
Eine deutliche Mehrheit der österreichischen Bevölkerung erwartet
von der Politik konkrete Maßnahmen, um die Trinkwasserversorgung auch
bei Wasserknappheit langfristig abzusichern. Das zeigt die neue
Marktstudie „Wasserversorgung und Wassermanagement“ , die von der
Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) in
Auftrag gegeben und von Dr. Verena Priemer (marketmind GmbH) erstellt
wurde.
„ Ganz klar geht aus der Studie hervor, dass die Bevölkerung sich
eine zeitnahe Umsetzung von Maßnahmen zum Wassermanagement und zur
Priorisierung der öffentlichen Trinkwasserversorgung im Fall von
Wassermangel erwartet “, so die Studienautorin Dr. Verena Priemer von
marketmind.
Die Ergebnisse zeigen die Erwartungen an Politik und
Wassermanagement: 84 % befürworten einen verpflichtenden Einbau von
Wasserzählern bei der Entnahme von Grundwasser. 89 % sprechen sich
dafür aus, dass die öffentliche Trinkwasserversorgung bei
Wassermangel Vorrang vor anderen Nutzungsarten erhält und dieser
Vorrang gesetzlich verankert wird. 70 % erwarten von der Politik eine
zeitnahe Umsetzung entsprechender Maßnahmen für ein zukunftsfittes
Wassermanagement.
„ Zukünftig rechnen die meisten Befragten mit einer Steigerung
des Verbrauchs an Trinkwasser, wobei die Industrie als größter
Verbraucher gesehen wird, gefolgt von der Landwirtschaft “, sagt
Verena Priemer, marketmind.
Zwtl.: Drei konkrete Schritte für eine sichere Trinkwasserversorgung
Gerade die aktuellen Negativrekordwerte hinsichtlich der
Grundwasserstände in Österreich und der fortschreitende Klimawandel
erfordern ein Umdenken in der heimischen Trinkwasserpolitik. Die
Ergebnisse der Umfrage und der damit zum Ausdruck gebrachte Rückhalt
in der österreichischen Bevölkerung bestärken die bisherige Linie der
ÖVGW. Um die Trinkwasserversorgung in Österreich langfristig
abzusichern, fordert die ÖVGW zum wiederholten Mal drei zentrale
Maßnahmen:
Zwtl.: 1. Rasche Umsetzung eines Wasserentnahmeregisters
Aus Sicht der ÖVGW ist die verpflichtende Erfassung sämtlicher
Wasserentnahmen mittels Wasserzähler ein zentraler Baustein einer
zukünftigen wasserwirtschaftlichen Planung. Das angekündigte
Wasserentnahmeregister ist grundsätzlich sinnvoll, muss angesichts
von Trockenheit und niedrigen Grundwasserständen aber rasch umgesetzt
werden. Dabei sollen nicht nur große Entnahmen ab 200.000 m³, sondern
auch kleinere Entnahmen erfasst werden. Bei Verstößen sind wirksame
Sanktionen notwendig.
„ Auch können wir uns – aufgrund der angespannten Lage – keine
Verzögerungen durch großzügige Übergangsfristen leisten, wie sie vom
zuständigen Minister vorgeschlagen wurden. Hier bedarf es einer
zeitnahen Umsetzung für alle Wassernutzer. Wir sind schon zu lange im
Blindflug unterwegs. Auch für großzügige Ausnahmen ist kein Platz.
Jede Entnahme muss über Wasserzähler dokumentiert und nachweisbar
kontrolliert werden “, sagt ÖVGW-Vizepräsident Nikolaus Sauer.
Zwtl.: 2. Rechtssichere gesetzliche Vorrangstellung sowie eine
bessere Rechtsstellung der Trinkwasserversorgung im
Wasserrechtsgesetz
Die ÖVGW spricht sich für eine Novellierung des
Wasserrechtsgesetzes (WRG 1959) aus, um die Trinkwasserversorgung in
Wassermangellagen rechtssicher und praxistauglich abzusichern. Die
derzeitige Rechtslage erschwert wirksame Maßnahmen, insbesondere in
Zeiten von Wasserknappheit. Unklare Zuständigkeiten, nicht
praktikable gesetzliche Regelungen und fehlende
Mitwirkungsmöglichkeiten öffentlicher Trinkwasserversorger gefährden
zusätzlich die Versorgungssicherheit.
„ Es braucht eine rechtliche Besserstellung der Wasserversorger
beim Erschließen von neuen zusätzlichen Wasservorkommen. Ebenso
braucht es jetzt eine rechtlich abgesicherte Lösung zur Durchsetzung
der Vorrangstellung der Trinkwasserversorgung vor anderen
Wassernutzungen im Fall von akuten Wassermangellagen. Die derzeitigen
gesetzlichen Grundlagen sind nicht mehr zeitgemäß und können dies
nicht leisten “, sagt Nikolaus Sauer , Sprecher der
Trinkwasserversorger.
Zwtl.: 3. Langfristige Absicherung der Finanzierung
Der Neubau von Wasserspeichern (Wasserbehältern), neue Brunnen
und überregionale Leitungen sind zentrale Bausteine für eine
langfristig sichere Trinkwasserversorgung, zugleich sind diese
Infrastrukturprojekte mit hohen Investitionskosten verbunden. Eine
ausreichende und verlässliche Dotierung der Fördertöpfe ist daher
unverzichtbar. Die ÖVGW fordert eine jährliche Kofinanzierung der
Trinkwasserversorgung durch den Bund in Höhe von mindestens 150
Millionen Euro, um den Werterhalt und die Erneuerung bestehender
Anlagen sicherzustellen. Darüber hinaus braucht es zusätzliche
Bundesmittel für notwendige Anpassungen an den Klimawandel.
„ Investitionen in die Trinkwasserversorgung stärken die
langfristige Versorgungssicherheit. Die eingesetzten Fördermittel
verbleiben zudem überwiegend in der heimischen Wirtschaft und tragen
zur Sicherung von Arbeitsplätzen sowie zur Stärkung der Konjunktur
bei “, so ÖVGW-Vizepräsident Sauer.
Zwtl.: Bevölkerung erwartet rasches politisches Handeln
Für die ÖVGW unterstreichen die Ergebnisse der marketmind-Studie
den Handlungsbedarf. Die Bevölkerung erwartet konkrete und zeitnahe
Maßnahmen, um die Trinkwasserversorgung auch bei Wasserknappheit
langfristig abzusichern. „Nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die
Wasserversorger erwarten sich von der Politik ein rasches Handeln
aufgrund der derzeit angespannten Situation“ , sagt Sauer
abschließend.
ÖVGW
Die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW
) ist die einzige, unabhängige und freiwillige Interessensvertretung
für die österreichischen Trinkwasserversorger. Sie zählt über 314
Unternehmen aus dem Wasserbereich zu ihren Mitgliedern. Über
Kooperationen mit Landesverbänden vertritt die ÖVGW mehr als 2.000
Wasserversorger. Diese beliefern rund 80 % der zentral versorgten
Bevölkerung mit Trinkwasser. Das österreichische Trinkwasser wird zu
100 % aus Grundwasser (Brunnen und Quellen) gewonnen, welches
Großteils nicht aufbereitet werden muss. Für die ÖVGW steht daher der
Schutz des Grundwassers und die sichere Versorgung der Bevölkerung
mit gesundem, hochqualitativem Trinkwasser in Zeiten des Klimawandels
im Fokus.