Freizeit

Wie Ziviltechniker:innen leistbares Wohnen mitgestalten können

Wien (OTS) – Die Kammer der Ziviltechniker:innen für Wien,
Niederösterreich und
Burgenland (zt: Kammer) widmete sich im Rahmen einer Fachdiskussion
der Frage, welchen Beitrag Ziviltechniker:innen zu leistbarem und
zukunftsfähigem Wohnen leisten können und wie bezahlbarer Wohnraum
langfristig gesichert werden kann. Gemeinsam mit Architekt:innen aus
dem In- und Ausland, Vertreter:innen aus Politik und Verwaltung, dem
Kammerpräsidenten sowie Expert:innen des Kammerausschusses Wohnbau
und Leistbarkeit diskutierten die Teilnehmer:innen über aktuelle
Herausforderungen, strukturelle Defizite und mögliche Ansätze, die
eine nachhaltige Wohnraumentwicklung begünstigen können. Im
Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Präsentation des
Positionspapiers „Leistbar für die Zukunft“, in dem die zt: Kammer
zwölf Forderungen, die auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen zur
Schaffung von leistbarem Wohnraum abzielen, formuliert.

Angesichts steigender Wohnkosten und einer rückläufigen
Bautätigkeit stellt sich die Frage, wie unter den aktuellen
Bedingungen überhaupt noch leistbarer Wohnraum geschaffen werden
kann. Besonders deutlich zeigt sich die angespannte Situation in
Wien: Hohe Miet- und Kaufpreise machen Wohnen für breite
Bevölkerungsschichten zunehmend unerschwinglich. Die Ursachen dieser
Entwicklung sind vielfältig, sie reichen von steigenden
Grundstückspreisen über hohe Rohstoff- und Baukosten, erschwerte
Finanzierungsbedingungen, Leerstand bis zur Überreglementierung. Die
zt: Kammer betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung unabhängiger
Planung sowie transparenter Projekt- und Kostensteuerung, um
innerhalb vorgegebener Budgets qualitativ hochwertige und
wirtschaftlich tragfähige Ergebnisse zu erzielen. Leistbarkeit
versteht sie dabei nicht ausschließlich unter ökonomischen
Gesichtspunkten, sondern sie schließt ökologische und
gesellschaftliche Qualitäten ebenso mit ein.

„Leistbares und zukunftsfähiges Wohnen zählt zu den zentralen
Voraussetzungen für Lebensqualität – sowohl auf individueller als
auch auf gesellschaftlicher Ebene. Seine Sicherung erfordert ein
abgestimmtes Zusammenspiel von Wohnungspolitik, Wohnungswirtschaft
und Planung“, so Ulrike Schartner, Vorsitzende des Ausschusses
Wohnbau und Leistbarkeit der zt: Kammer.

Ziviltechniker:innen bewegen sich in einem komplexen
Spannungsfeld zwischen planerischen Anforderungen, wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen, den Interessen der Auftraggeber:innen,
gesetzlichen Bestimmungen und einer hohen gesellschaftlichen
Verantwortung. Diese Faktoren prägen nicht nur ihr Berufsfeld,
sondern beeinflussen wesentlich auch die architektonische Qualität
der gebauten Umwelt. Ihre Aufgabe besteht darin, aus
unterschiedlichen Interessen tragfähige, langfristig orientierte und
nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Im Fokus steht die Frage, welche
Voraussetzungen notwendig sind, damit Wohnbau nicht primär
kurzfristiger Kostenoptimierung folgt, sondern langfristig
nachhaltige, ressourcenschonende und qualitätsvolle Lebensräume
schafft, die für alle Menschen unserer Gesellschaft leistbar sind.

Die zwölf Forderungen der zt: Kammer:

– Der Planungsphase einen deutlich höheren Stellenwert einräumen, um
das Potenzial qualitätsvoller Planung konsequent auszuschöpfen

– Kostensteuerung und unabhängige Planung eng miteinander
verschränken

– Anreize für mehr Kostentransparenz durch gewerkeweise, konstruktive
Ausschreibung setzen

– Mittel der Wohnbauförderung gezielt für die Wohnbauforschung im
Sinne des forschenden Bauens einsetzen

– Die Leistbarkeit im Bestand durch Berücksichtigung der CO 2 -Bilanz
sichern

– Sanierungen und kreislauffähiges Bauen gezielt fördern

– Baulandreserven konsequent für soziale Zwecke sichern

– Synergien durch städtebauliche Planung und koordinierte
Quartiersentwicklung nutzen

– Eine einheitliche Definition von Leerstand als Voraussetzung für
wirksame wohnungspolitische Maßnahmen formulieren

– Im Mietrecht sozial ausgewogene Anreize für Sanierungen schaffen

– Bestandsnutzung, Nachverdichtung und Quartierslösungen durch
verbesserte baurechtliche Rahmenbedingungen forcieren

– Bauverfahren durch eine verbindliche Vorabklärung baurechtlicher
und bautechnischer Fragen beschleunigen

Zum Positionspapier

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