Wien (OTS) – Das Lebensmittelgewerbe schlägt Alarm: Die
Umsatzsteuersenkung auf
ausgewählte Grundnahrungsmittel wird zwar seitens der Branche
durchwegs begrüßt. Die Art und Weise, wie diese umgesetzt werden
soll, stellt die betroffenen Betriebe jedoch vor gewaltige und
vielfach unlösbare Herausforderungen.
Besondere Probleme bereitet der „unrunde“ Steuersatz von 4,9
Prozent: Weil viele Kassen- und Warenwirtschaftssysteme
Umsatzsteuersätze mit Dezimalstelle nicht verarbeiten können, müssen
etliche Betriebe – darunter besonders viele kapitalschwache KMU –
neue Kassen anschaffen. Das treibt die Kosten hoch und führt bereits
zu Lieferverzögerungen. Aber auch dort, wo eine Anpassung bestehender
Systeme grundsätzlich möglich ist, verursacht die Umstellung großen
technischen Aufwand und Kosten. Die benötigten IT-Service-Techniker
sind wegen der kurzfristigen Umstellungsfrist auf Wochen ausgelastet.
„Diese an sich sinnvolle Steuersenkung verursacht leider für
unsere Betriebe einen massiven administrativen Mehraufwand und
finanzielle Belastungen, die vor allem für kleine und mittlere
Unternehmen in der aktuell wirtschaftlich angespannten Lage kaum
tragbar sind. Das ist kontraproduktiv“, warnt Leo Jindrak,
Bundesinnungsmeister des Lebensmittelgewerbes in der
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).
Für die technischen Anpassungen, eine korrekte steuerliche
Einordnung sämtlicher betroffenen Produkte sowie die Schulung der
Mitarbeitenden sei ein deutlich längerer Vorlauf nötig. Jindrak
fordert – auch angesichts vielfach noch ungeklärter Zuordnungen –
eine längere Umsetzungsfrist als bis zum 1. Juli 2026. Nur acht
Wochen vor dem geplanten Start fehlt nämlich immer noch der
Gesetzestext als konkrete Grundlage für die Zuordnungen von Produkten
in die Gruppe der begünstigten Waren.
„Unsere Betriebe müssen Rechts- und Planungssicherheit haben: Es
darf nicht das steuerrechtliche Risiko auf sie abgeladen werden, wenn
die Umstellung aufgrund von unbeeinflussbaren Umständen nicht
rechtzeitig erfordern kann“, betont Jindrak. Betroffen sind im
Lebensmittelgewerbe von der Umstellung neben den rund 1.300
Bäcker:innen und 1.400 Konditor:innen bei einzelnen
Grundnahrungsmitteln auch die 1.100 Fleischer:innen. (PWK202/HSP)