St. Pölten (OTS) – Niederösterreich ist ein Land mit einer reichen
Geschichte,
vielfältigen Regionen und einer lebendigen Forschungslandschaft. Vor
zehn Jahren wurde mit „first – dem Forschungsnetzwerk
Interdisziplinäre Regionalstudien“ eine Initiative gestartet, die
heute als österreichweit anerkanntes Erfolgsmodell gilt. „first“
wurde im Rahmen der FTI-Strategie (Forschungs-, Technologie- und
Innovationsstrategie) des Landes Niederösterreich gegründet, um
regionale Forschung zu stärken und neue wissenschaftliche
Perspektiven zu eröffnen.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ordnet das Netzwerk in die
langfristige Entwicklung des Wissenschaftsstandorts ein:
„Wissenschaftliche Forschung aus Niederösterreich findet heute auf
internationalem Niveau statt. Das ist kein Zufall, sondern das
Ergebnis konsequenter Investitionen und klarer Entscheidungen. ´first
´ zeigt seit zehn Jahren, dass exzellente geistes-, sozial- und
kulturwissenschaftliche Forschung nicht nur in den großen Städten
entsteht, sondern mitten in unseren Regionen.“
LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf betont die gesellschaftliche
Bedeutung des Netzwerks: „Forschung ist dann am stärksten, wenn sie
nah an den Menschen ist. ´first´ zeigt, wie Wissenschaft Regionen
verbindet, Geschichte verständlich macht und Zukunftsperspektiven
eröffnet. Dieses Netzwerk ist ein Gewinn für ganz Niederösterreich
und verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit regionaler Verankerung.
Damit ist es ein zentraler Baustein für die Zukunft unseres Landes.“
Was 2016 als Zusammenschluss kleiner Institute begann, hat sich
zu einem leistungsfähigen Verbund entwickelt, der große
Drittmittelprojekte ermöglicht, digitale Innovationen vorantreibt und
regionale Themen in nationale und internationale Diskurse einbettet.
„Die Anfänge von ´first´ waren von unbeschreiblicher Euphorie
geprägt“, erinnert sich Martha Keil, langjährige Sprecherin des
Netzwerks. „Es war wirklich der Beginn einer einzigartigen
Partnerschaft, die unsere kleinen Institute zu Großem befähigt hat.“
Die Bandbreite der Projekte zeigt, wie vielfältig und
gesellschaftlich relevant Regionalforschung sein kann: Historische
Lagerforschung machte Spuren des NS-Zwangsarbeitslagers
Roggendorf/Pulkau sichtbar und dokumentierte erstmals rund 250
Lagerstandorte der sowjetischen Besatzungszeit. Eine digitale
Lagerkarte und eine neue Citizen-Science-Plattform öffnen diese
Forschung für die Öffentlichkeit. Migrations- und
Mobilitätsgeschichte wird ebenso untersucht wie Ernährungsgeschichte,
soziale Ungleichheit und regionale Identitätsbildung. Die
Erschließung der Sammlung „Niederösterreich privat“ – rund 70.000
Amateurfilme – schafft neue Zugänge zur Alltagsgeschichte des 20.
Jahrhunderts. Aktuelle Projekte wie „Bedrohung und Selbstbehauptung“
binden Schülerinnen und Schüler als Co-Forschende ein und verbinden
historische Fluchtbiografien mit jenen der Gegenwart.
Bei einem Festakt am vergangenen Donnerstag in der
Niederösterreichischen Landesbibliothek in St. Pölten wurde das
zehnjährige Bestehen des Forschungsnetzwerks gefeiert. Unter dem
Titel „Forschen im Verbund – 10 Jahre first“ blickten Vertreterinnen
und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft auf eine
Dekade erfolgreicher Zusammenarbeit zurück. Die Veranstaltung bot
zugleich Gelegenheit, die vielfältigen Forschungsleistungen des
Netzwerks sichtbar zu machen und Perspektiven für die zukünftige
Entwicklung der interdisziplinären Regionalforschung in
Niederösterreich zu diskutieren. „‚first‘ steht seit zehn Jahren für
gelebte Zusammenarbeit. Das Netzwerk zeigt, wie aus dem Zusammenspiel
unterschiedlicher Institutionen und Disziplinen etwas entsteht, das
größer ist als die Summe seiner Teile. Diese erfolgreiche Kooperation
ist ein Best-Practice-Beispiel, von dem auch andere Bereiche
profitieren können. Sie stärkt den Forschungsstandort
Niederösterreich und macht deutlich, wie viel durch gemeinsames
Handeln erreicht werden kann“, so Landesrat Anton Kasser, der dem
Festakt beiwohnte.
Johannes Pflegerl, Ilse Arlt Institut an der USTP – University of
Applied Sciences St. Pölten, aktueller Sprecher des „first“, zu
Gegenwart und Zukunft des Netzwerks: „´first´ ist heute relevanter
denn je. In herausfordernden Zeiten stärkt es nicht nur unsere
Institute, sondern den gesamten Forschungsstandort Niederösterreich.
Wir blicken optimistisch ins zweite Jahrzehnt und freuen uns auf neue
gemeinsame Projekte.“