Wien (OTS) – Wie fühlt sich eine Welt an, in der visuelle Wahrnehmung
eine
zentrale Rolle spielt? Eine Welt, in der Kommunikation durch
Gebärdensprache und Mimik selbstverständlich ist? Das Leben
gehörloser Menschen ist geprägt von einer langen Geschichte der
Ausgrenzung, Verfolgung und der Selbstbestimmung. Trotz vieler
positiver Entwicklungen in den vergangenen Jahren wurde der Wert des
„Hörens“ und der Lebensweg gehörloser Menschen oft von anderen (fremd
)bestimmt. Der vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens
kofinanzierte Kino-Dokumentarfilm „gehörlos“ von Anita Lackenberger
taucht ein in eine für viele unbekannte Realität und fragt
diejenigen, die wohl am besten wissen, was es bedeutet, in dieser
Welt zu leben. Anlässlich des Internationalen Tags der
Gebärdensprache (23. September) ist die Produktion im „dokFilm“ am
Sonntag, dem 20. September 2026, um 23.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON
erstmals im TV zu sehen.
Rund um den Internationalen Tag der Gebärdensprache rückt der ORF
das Thema in TV, Radio und online umfassend in den Mittelpunkt. In
Dokumentationen, Reportagen und Beiträgen geht es unter anderem um
Barrieren gehörloser Menschen im Gesundheitsbereich, neue
Möglichkeiten durch die Verankerung der Österreichischen
Gebärdensprache im Schulunterricht sowie um Inklusion in Sport und
Arbeitswelt. Persönliche Geschichten geben Einblicke in die
Lebensrealität gehörloser Menschen. Das ORF-Magazin „Thema“ ist seit
14. September dieses Jahres mit Gebärdensprachendolmetschung
verfügbar.
Mehr zum Inhalt der „dokFilm“-Premiere „gehörlos“ (20. September,
23.05 Uhr, ORF 2 und ORF ON)
Wie fühlt sich „absolute“ Stille an? Gibt es diese tatsächlich
oder ist sie nur ein Konzept der Hörenden? Wie nimmt ein gehörloses
Kind die Welt wahr, wie reflektiert es seine Eindrücke und wie können
seine Eltern zu ihm vordringen? Fragen, die im Alltag der Hörenden
zumeist ausgeblendet werden, und für die österreichische
Filmemacherin Anita Lackenberger unausweichlich dringlich wurden, als
sie bei Recherchen auf ein interessantes Dokument stieß. Darin ist
die Rede von einem St. Pöltner „Taubstummen“-Institut, das 1938 vom
NS-Regime geschlossen wurde. 42 Kinder verschwanden spurlos über
Nacht. Was ist mit ihnen geschehen? So taucht Lackenberger mit
„gehörlos“ tief in die Geschichte einer Minderheit ein, die von
Ausgrenzung und Verfolgung bis hin zu mörderischer Gewalt geprägt
ist. Doch die Dokumentation gibt auch Betroffenen und den Nachkommen
von Opfern viel Raum, um ihre Realität zu schildern – ohne Filter,
ohne Scham.
Das Nazi-Regime, das mit seiner menschenverachtenden
Herrenmenschen-Ideologie danach trachtete, „lebensunwertes Leben“ –
gemeint waren damit Menschen mit Behinderung, aber etwa auch so
genannte „Arbeitsscheue“ und „Asoziale“ – zu vernichten, unterschied
nicht minder zynisch zwischen „krüppelgehörlosen“ Menschen, deren
Behinderung etwa von einem Unfall herrührte, und
„genetischgehörlosen“ Menschen. Letztere wurde gnadenlos verfolgt.
Unter falschen Vorwänden wurden sie in medizinische Einrichtungen
bestellt, und dann ohne Vorwarnung und mit striktem Schweigegebot
belegt, zwangssterilisiert. In der oberösterreichischen
Tötungsanstalt Hartheim wurden Gehörlose ermordet, – genaue Zahlen
sind nicht mehr zu eruieren – andere wurden im Konzentrationslager
Auschwitz ums Leben gebracht. Auch nach Ende des Hitler-Regimes
hatten Gehörlose schwer zu tragen: in Ermangelung von
Interessensvertretungen wie Gehörlosenverbänden wurden in den 1950er-
und 1960er-Jahren hörende Kinder von Gehörlosen mit einer Fülle
bürokratischer Aufgaben betraut – bis zur völligen Überforderung. Die
mangelnde Diagnostik war ein weiteres Problem: die Behinderung blieb
oft jahrelang unentdeckt, es fehlten die Mittel, gehörlosen Kindern
dabei zu helfen, sich die Welt zu erschließen. Sie wussten in vielen
Fällen schlicht nicht, wie ihnen geschah, was um sie herum vorging.
So erschütternd der Film über Strecken ist, so sehr erstellt er auch
Befunde mittlerweile gelingender Schritte in die Selbstbestimmung.
Und er ist ein leidenschaftlicher Appell für Inklusion.
Die ORF-Programme rund um den Internationalen Tag der
Gebärdensprache im Detail:
ORF 2 widmet sich in mehreren Sendungen den Themen
Gehörlosigkeit, Barrierefreiheit und Inklusion: Bereits am Samstag,
dem 19. September, zeigt „Bewusst Gesund“ um 17.30 Uhr, mit welchen
Kommunikationsbarrieren gehörlose Menschen im Gesundheitsbereich
konfrontiert sind. Patrick Martinetz, selbst gehörlos und
diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, gibt Einblick in seinen
Alltag in der Gehörlosenambulanz Wien. Außerdem geht es um den
schwierigen Zugang zu Gebärdensprachdolmetscherinnen bzw. –
dolmetschern und die neue Möglichkeit, Österreichische
Gebärdensprache in der AHS-Oberstufe als zweite lebende Fremdsprache
zu wählen.
Am Sonntag, dem 20. September, spricht die evangelische Theologin
und pensionierte Pfarrerin Lydia Burchhardt um 16.55 Uhr in „Was ich
glaube“ über Gehörlosenseelsorge und die gesellschaftliche Teilhabe
gehörloser Menschen. Am Dienstag, dem 22. September, begleitet „Ohne
Grenzen Spezial“ um 11.10 Uhr in der Dokumentation „Unerhört
Sichtbar“ die gehörlose Badminton-Spitzensportlerin Katrin Neudolt
auf ihrem Weg zu den Deaflympics 2025 in Tokio und gibt Einblicke in
die Lebens- und Sportwelt gehörloser Athletinnen und Athleten. Die
Dokumentation, die von gehörlosen Filmemachern realisiert wurde, ist
auch am 10. und 24. September um 20.15 Uhr in ORF Sport + zu sehen.
Ebenfalls am 22. September zeigt „konkret“ im Rahmen der Serie
„Ziemlich bestes Team“ um 18.30 Uhr anhand eines Hotels in Linz, das
drei gehörlose Geflüchtete aus der Ukraine beschäftigt, wie Inklusion
in der Arbeitswelt gelingen kann.
Am Internationalen Tag der Gebärdensprache selbst, dem 23.
September, berichtet „Guten Morgen Österreich“ aktuell, bevor „Fit
mit den Stars“ sein Publikum um 9.10 Uhr in ORF 2 in Österreichischer
Gebärdensprache begrüßt. Um 13.30 Uhr weist Sinem Akdeniz-Ugolini,
Direktorin des Instituts für Gehörlosenbildung, in „Aktuell nach
eins“ auf die anhaltende Diskriminierung Gehörloser hin. „Studio 2“
begleitet um 17.30 Uhr Florian Gravogl, einen der ersten gehörlosen
Kitelehrer Europas, bei einem seiner Kurse am Neusiedlersee. Auch die
ORF-Landesstudios greifen den Internationalen Tag der
Gebärdensprachen mit zahlreichen Beiträgen in ihren Programmen auf.
Anlässlich des Internationalen Tages der Gebärdensprache widmet
sich auch ORF III der Bedeutung von Gebärdensprache und Inklusion.
Bereits am 22. September thematisiert „ORF III AKTUELL“ (ab 9.30 Uhr)
die Verankerung der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) als zweite
lebende Fremdsprache in der AHS-Oberstufe. Im Gespräch mit Lydia
Fenkart, Hochschullehrende für ÖGS und Inklusive Pädagogik, geht es
um die Bedeutung des neuen Unterrichtsfachs und dessen Beitrag zur
Inklusion der gehörlosen Community in Österreich. Am Internationalen
Tag der Gebärdensprache selbst, dem 23. September, steht anschließend
um 23.20 Uhr die französische Komödie „Verstehen Sie die Béliers?“
auf dem Programm. Der Film erzählt die Geschichte der gehörlosen
Familie Bélier und ihrer Tochter Paula, die als einzige Hörende der
Familie zwischen dem Alltag ihrer Eltern und ihren eigenen Träumen
vermittelt. Mit Humor und Einfühlungsvermögen thematisiert der
vielfach ausgezeichnete Publikumserfolg Familie, Selbstständigkeit
und die verbindende Kraft von Gebärdensprache.
Auch ORF KiDS beteiligt sich am Schwerpunkt: Die
Kindernachrichten-Sendung „ZIB KiDS“ vermittelt aktuelle
Zusammenhänge und Hintergründe für Sechs- bis Zehnjährige. Am
Mittwoch, dem 23. September, widmet sie sich in einem eigenen Beitrag
dem Thema „Wie wurde die Gebärdensprache erfunden?“. Die „ZIB KiDS“
ist bereits seit dem Start am 1. Jänner 2024 in Gebärdensprache zu
sehen. Die Sendung ist via Livestream und on demand auf kids.ORF.at
sowie via ORF-KiDS-App abrufbar und außerdem am Folgetag um 6.00 Uhr
und um 7.50 Uhr in ORF 1 zu sehen. Außerdem zeigt ORF KiDS fünf
Folgen von „Helmi“ in Gebärdensprache: „Zebra ist gut – schauen ist
besser“ (26. September), „Schulbus Busschule“ (3. Oktober),
„Sichtbarkeit = Sicherheit“ (10. Oktober), „Check dein Zuhause“ (24.
Oktober) und „Fit mit Fun“ (31. Oktober).
Ö1 widmet sich ebenfalls dem Thema Gehörlosigkeit: Bereits am 17.
September beleuchtet das „Radiokolleg“ um 9.05 Uhr unter dem Titel
„Zukunft als Cyborg?“ die Möglichkeiten moderner Technologien und
zeigt unter anderem, wie Cochlea-Implantate gehörlosen und
schwerhörigen Menschen das Hören ermöglichen können. Am 27.
September, dem Tag der Gehörlosen, erzählt die gehörlose Sängerin,
Musikerin und Musikpädagogin Laura Korhonen in „Gedanken“ um 9.05
Uhr, wie sie mithilfe von Cochlea-Implantaten ihren eigenen Zugang
zur Musik gefunden hat und warum Musik für sie weit über das Hören
hinausgeht.
Auch das ORF.at-Netzwerk und der ORF TELETEXT widmen sich im
Rahmen der Berichterstattung den Themen Barrierefreiheit und
Inklusion. Auf ORF ON werden die Streams der TV-Sendungen des
Programmschwerpunkts barrierefrei zugänglich gemacht.
Inklusion und Barrierefreiheit sind insgesamt ein wichtiger
Schwerpunkt in den Online- und Teletextangeboten des ORF – sowohl in
der Berichterstattung als auch in der Bereitstellung barrierefrei
zugänglicher Angebote. So orientieren sich die Seiten des ORF.at-
Netzwerks bezüglich der Barrierefreiheit an den WCAG 2.2-Richtlinien
unter Beachtung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen. Nachrichten
in Einfacher Sprache werden täglich auf der Startseite des ORF.at-
Netzwerks bereitgestellt. Auf ORF ON werden alle TV-Sendungen des
ORF, sofern entsprechend verfügbar, auch in Gebärdensprache (ÖGS),
mit Untertiteln, Audiodeskription und/oder Transkripten angeboten.
Darüber hinaus macht ORF ON mehr als 60 Videos zum Thema
„Selbstbestimmung und Vielfalt: Gelebte Inklusion in der
Gesellschaft“ in einem Archiv zugänglich.
Der ORF TELETEXT bietet mit seinem umfassenden
Untertitelungsangebot auf Seite 777 gehörlosen und stark
hörbehinderten Menschen die Möglichkeit, das ORF-TV-Programm so
barrierefrei wie möglich mitzuverfolgen. Er stellt darüber hinaus im
Magazin „Lesen statt Hören“ umfassende Kontaktadressen zu
Servicestellen, spezielle Veranstaltungs- und Eventhinweise (Kultur,
Sport, Gehörlosen-Clubs und -Vereine), Infos zu Seelsorge, Hinweise
auf Hörfilme und Hörsendungen zur Verfügung, und bietet Nachrichten
in Einfacher Sprache in den Sprachstufen B1 (ab Seite 470) und A2 (ab
Seite 480).
Seit kurzem stehen Untertitel außerdem auch auf den meisten Smart
-TV-Geräten via HbbTV- Portal des ORF zur Verfügung (eigene App,
derzeit noch Beta-Version, „Red Button“), wo auch eine verbesserte
Usability durch individuell auswählbare Schriftgrößen und
Positionierung der Untertitel am Bildschirm ermöglicht wird.