Wien (OTS) – Österreichs Kleinwasserkraft blickt auf ein Jahr mit
vielen
Veränderungen zurück – und fordert endlich die nötigen politischen
Rahmenbedingungen für weiteres Wachstum. Bei der Jahrestagung in
Niederösterreich erneuerte die Branche ihren Appell an die Regierung,
die lange erwarteten Gesetze zur Elektrizitätswirtschaft (ElWG) und
zur Beschleunigung des Erneuerbaren-Ausbaus (EABG) rasch zu
beschließen. Zugleich stellt sich der Verein neu auf: Hannes
Taubinger wurde am 15. Oktober zum neuen Präsidenten von
Kleinwasserkraft Österreich gewählt.
Der Ausbau der Kleinwasserkraft als Stütze der Transformation
wird durch politische und administrative Barrieren gebremst, der
Bestand durch immer neue Eingriffe und Begehrlichkeiten der Politik
gefährdet: „Nach weiteren sechs Monaten des Wartens brauchen wir
endlich gute und verlässliche Rahmenbedingungen – vom ElWG bis zum
EABG. Strom zu erzeugen muss attraktiv bleiben, und dafür benötigen
wir Planbarkeit. Schon im Juni haben unsere Berechnungen gezeigt:
Österreich verschenkt 550 Millionen kWh Wasserkraft-Potenzial allein
mit den Beschleunigungsgebieten. Das darf nicht länger ungenutzt
bleiben“ so Paul Ablinger, Geschäftsführer von Kleinwasserkraft
Österreich, zu Beginn der Jahrestagung.
Auch Hannes Taubinger, neuer Präsident von Kleinwasserkraft
Österreich, unterstreicht die Relevanz der politischen
Entscheidungen: „Angebot und Nachfrage machen auch den Strompreis.
Wenn die Politik also billigeren Strom möchte, muss sie mehr Angebot
ermöglichen, also den Ausbau und die Revitalisierung der Wasserkraft
fördern – statt durch Europas höchste Netzgebühren Stromimporte zu
begünstigen!“
Zwtl.: Vervielfachung der Speicherleistung bis 2040 notwendig
Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) und das zukünftige
Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) sehen eine stärkere Einbindung
von Speichern und Energiegemeinschaften vor. Für Betreiber:innen von
Kleinwasserkraftwerken eröffnen sich durch die Integration von
Speichertechnologien neue Chancen, wie zusätzliche Vergütungsmodelle
und eine direkte Teilhabe am wachsenden Flexibilitätsmarkt. „Unser
Ziel ist es, Wasserkraft und Speichertechnologien so zu kombinieren,
dass sie einen maximalen Beitrag zur Versorgungssicherheit und
Stabilisierung des Energiesystems leisten können“, so Ablinger.
Im Rahmen der Jahrestagung werden die Vorteile kleiner und großer
Lösungen diskutiert: Pumpspeicher bieten hocheffiziente und
langlebige Lösungen für spezifische Standorte. Batteriespeicher
hingegen sind flexibel skalierbar und schaffen auch bei
Kleinwasserkraftwerken, die keine Möglichkeit eines Wasserspeichers
haben, einen bedeutsamen Mehrwert. Einigkeit besteht darin, dass für
ein verlässliches Energiesystem der Zukunft jedes Potenzial genutzt
werden muss.
Zwtl.: Rentabel bleiben durch Innovation und Nachhaltigkeit
„Wo Technologie auf Verantwortung trifft, stärken wir die
Wettbewerbsfähigkeit und schaffen eine zukunftssichere
Energieversorgung. Daher müssen alle Entscheidungen, die wir für die
Kleinwasserkraft von morgen treffen, auf Effizienz und Nachhaltigkeit
gleichermaßen einzahlen“, zeigt sich Ablinger überzeugt. Dass dieses
Prinzip von der Branche bereits gelebt wird und der Einsatz von KI
echten Mehrwert liefert, zeigen zahlreiche Projekte: KLIWASIM,
gefördert durch den Kima- und Energiefonds, unterstützt dabei, die
Wirtschaftlichkeit von Standorten unter Berücksichtigung
verschiedener Klimawandelszenarien abzuschätzen und gibt
Entscheidungshilfe für Investitionen. Das Spin-Off Purple Energy hat
ein Prognosetool für Stromerzeugung und Energieverbtauch entwickelt,
das dazu beiträgt, den Ertrag von Kleinwasserkraftwerken zu steigern.
Großes Potenzial sieht die Branche auch im sogenannten Zero-
Impact-Ansatz. Durch die Kombination aus smarter Steuerung,
fischfreundlicher Technik und gezieltem Eingriff in bestehende
Strukturen lässt sich Kleinwasserkraft nutzen, ohne den Fluss oder
seine Bewohner zu belasten. Der Ansatz verbindet Ökologie, Technik
und Wirtschaftlichkeit und macht Kleinwasserkraft langfristig
zukunftssicher. Dazu zählen digitale Simulationen, schonende
Wasserentnahmen, fischfreundliche Turbinen, Revitalisierungen statt
Neubauten oder ökologische Monitoring-Systeme.
Zwtl.: Niederösterreichischer Landessprecher wird neuer Präsident
Der Tagung vorangegangen ist die Generalversammlung von
Kleinwasserkraft Österreich und damit auch die Wahl eines neuen
Präsidenten. Nach fast zwei Jahrzehnten übernimmt der bisherige
niederösterreichische Landessprecher Hannes Taubinger (49) die
Staffel von Langzeitpräsident Christoph Wagner. „Kleinwasserkraft
Österreich wird mit mir als Präsident weiter konstruktiv mitarbeiten,
damit elektrische Energie in Österreich noch nachhaltiger wird und
dabei kostengünstig und sicher bleibt. Aber wir werden auch auf
Fehlentwicklungen deutlich hinweisen“ betont Taubinger.
Taubinger selbst könnte nicht enger mit der Kleinwasserkraft
verbunden sein: Seit über zehn Jahren ist er geschäftsführender
Gesellschafter der Anton Kittel Mühle Plaika Gruppe und damit für
Betrieb und Errichtung von 18 Kleinwasserkraftanlagen, Stromnetz,
Stromvertrieb, Stromgroßhandel und Mühlenbetrieb verantwortlich.
Zwtl.: Dank an unsere Sponsoren: Gemeinsam für eine nachhaltige
Energiezukunft
Der diesjährige Austausch der Kleinwasserkraft-Branche wurde
ermöglicht durch den Hauptsponsor, EVN AG und CyberGrid GmbH, sowie
die Premiumsponsoren, Global Hydro Energy GmbH, Tiroler Rohre GmbH
und VERBUND AG.