St. Pölten-Land (OTS) – Am Donnerstag Nachmittag (27.08.2026) folgten
rund 400 Menschen dem
spontanen Aufruf zum friedlichen Protest des VGT vor dem aufgedeckten
Mastbetrieb im Bezirk St. Pölten-Land. Der Betrieb steht seit
mindestens 2013 nach wiederholten Tierqual-Aufdeckungen massiv in der
Kritik. Mittlerweile gilt seit 2023 ein Tierhaltungsverbot gegen den
Betreiber – gegen seine Frau, die den Betrieb momentan führt, läuft
ebenfalls ein Verfahren bezüglich eines Tierhaltungsverbots.
Zwtl.: „Kontrolliert, dokumentiert, ignoriert?“
Plakatsprüche wie dieser waren bei dem Protest zu sehen. Von der
Kremser Straße aus zog der Demozug durch das Traismaurer
Siedlungsgebiet bis zum Mastbetrieb, wo der Protest als friedliche
Mahnwache mit Ansprachen beendet wurde. Besonders viele Schilder
riefen die Behörden zur Verantwortung. David Richter, VGT-Campaigner,
ordnet die Empörung der Menschen ein: „ Es ist nicht
nachzuvollziehen, was noch passieren muss, damit die Behörden endlich
durchgreifen können. Dieser Fall zeigt wie kein anderer auf, wo die
größten Schwächen im behördlichen und rechtlichen System zum Schutz
der Tiere sind. “
Video von dem Protest: https://youtube.com/shorts/kX9v9oOcchs
Zwtl.: „Nicht gesehen – nicht passiert“: Die Schwäche der Kontrollen
Selbst unangekündigte Behördenkontrollen können nur das ahnden,
was unmittelbar bei der Kontrolle wahrgenommen wird. Gerade
Missachtungen von Tierhaltungsverboten im landwirtschaftlichen
Bereich sind so kaum zu bestrafen – zu schnell können Betroffene bei
Ankunft der Kontrollorgane einfach den Stall verlassen. David Richter
schlägt Plausibilitätsprüfungen vor: „ Man muss sich schon die Frage
stellen, ob ein Betrieb weitergeführt werden kann, wenn eine oder
sogar zwei Hauptverantwortliche aufgrund von Tierhaltungsverboten
keine Arbeit mit den Tieren verrichten dürfen. Wer übernimmt diese
Aufgaben? Zumal in diesem Betrieb ja schon vor dem Tierhaltungsverbot
grobe Vernachlässigung herrschte. “
Besonders die im Betrieb dokumentierte Gewalt entsetzte die Protest-
Teilnehmer:innen. „ Die derzeitige Betreiberin schlägt darin zwei
Ziegen mit einer Mistgabel gegen den Kopf. Dieser brutale Umgang mit
den Tieren ist ebenfalls etwas, das behördliche Kontrollen kaum
wahrnehmen. “
Zwtl.: Seit VGT-Anzeige keine behördliche Kontrolle im Betrieb
Besonders erschüttert zeigten sich die Protest-Teilnehmer:innen
über die Information, dass seit der Anzeige des VGT am Montag,
24.08., noch keine erneute behördliche Kontrolle stattgefunden haben
soll. Die Aussagen der Landesrätin Susanne Rosenkranz, wonach die
Aufdeckungsbilder nicht den aktuellen Zuständen entsprächen, beruht
offenbar nicht auf einer Kontrolle in dieser Woche, sondern der
letzten am 12.08. dieses Jahres.
David Richter dazu: „ Die Bilder, die der VGT bekommen hat, stammen
aus der zweiten August-Woche, also nur wenige Tage vor der
behördlichen Kontrolle, in der ebenfalls Missstände festgestellt
wurden. Wenn nun von unterschiedlichen Zuständen im Betrieb die Rede
ist, dann zeigt das nur, wie schnell sich hier die Lage für die Tiere
ändern kann. Wie es momentan, Ende August (!), im Betrieb aussieht,
kann die Behörde ohne Kontrolle überhaupt nicht wissen! “
Zwtl.: Übertretungen müssen Folgen haben
Die Landesveterinärdirektion teilte schon am Tag nach der
Aufdeckung mit, dass „die rechtlichen Mittel ausgeschöpft“ seien im
Bezug auf den Skandalbetrieb. Für die Tierschutz-Expert:innen des
VGT, die wöchentlich Tierqual-Meldungen aus der Bevölkerung erhalten,
ist das schwer zu glauben. David Richter: „ Auch in der
landwirtschaftlichen Tierhaltung gibt es Gesetze und
Tierhaltungsrichtlinien, deren Übertretung bestraft werden muss. Viel
zu oft hören wir jedoch, dass es selbst bei durchaus weitgreifenden
Übertretungen lediglich Nachbesserungsaufträge gibt, statt Verfahren
nach dem Tierschutzgesetz oder Strafen. Womöglich würden sich
Betriebe, die über Jahre hinweg Rinder in Gülle-Seen halten oder
Ziegen und Schafe in den Buchten sterben lassen, eher ändern, wenn
Tierquälerei konsequent und hart bestraft wird. Die aktuelle Tiermast
wurde laut Landesrätin Rosenkranz in den letzten vier Jahren 30-mal
kontrolliert: Wie oft gab es Übertretungen und was waren die
Konsequenzen dieser Übertretungen? “
Der VGT verweist auf die neu gestartete Petition und appelliert
an die Verantwortlichen, den Ruf aus der Bevölkerung ernstzunehmen:
Tierquälerei darf in Österreich nicht länger geduldet werden!
Pressefotos vom Betrieb (Copyright: VGT.at)
Ein Roh-Videoschnitt kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden.
Fotos vom Protest: Pressefotos Demo (Copyright: VGT.at)