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Hilfswerk zum Internationalen Tag der Kinderrechte: Kinder- und Jugendschutz steht nicht zur budgetären Disposition!

Wien (OTS) – „ Jedes Kind muss die Möglichkeit haben, sicher
aufzuwachsen, Schutz
zu erfahren und im Ernstfall einen Ort zu haben, an dem es
aufgenommen wird, wenn eine alternative Unterbringung notwendig ist.
Genau das ist derzeit aber nicht in allen Regionen Österreichs
gewährleistet “, kritisiert Isabella Ecker , Fachliche Leitung für
Kinder, Jugend, Familie und psychosoziale Dienste im Hilfswerk
Österreich , anlässlich des Tags der Kinderrechte am 20. November.

„Von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hilfswerks im Bereich
der Kinderbetreuung und Jugendarbeit hören wir immer häufiger
bedrückende Fallberichte: Kinder werden trotz akuter Gefährdungslage
nicht oder zu spät aus ihrem Umfeld herausgenommen, weil
Betreuungsplätze fehlen und sozialpädagogische Einrichtungen mit
einem Mangel an Personal und Budgetmitteln kämpfen. Es ist völlig
inakzeptabel, dass die Politik die Möglichkeiten der Kinder- und
Jugendhilfe derart beschränkt und damit gefährdeten Kindern nicht nur
Bildungs- und Lebenschancen vorenthält, sondern letztlich auch
vermeidbares Leid riskiert “, so Ecker.

Steigende Fallzahlen, überfüllte Einrichtungen

Um Fälle bedrohten Kindeswohls zu beurteilen, leitete die Kinder-
und Jugendhilfe im Jahr 2024 insgesamt 53.162 Gefährdungsabklärungen
ein. Das sind um 2.926 oder 5,8 % mehr als 2023 . Gefährdete Kinder
und Jugendliche erhalten Unterstützung , um die Gefahrensituation bei
Verbleib in der Familie oder im bisherigen Wohnumfeld zu entschärfen.
Ist das Kindeswohl nur außerhalb der Familie sicherzustellen, spricht
man von „ Voller Erziehung “ – bei Angehörigen, Ersatzfamilien oder
in sozialpädagogischen Einrichtungen. Im Jahr 2024 erhielten
insgesamt 45.313 Kinder und Jugendliche eine Unterstützung der
Erziehung, 13.050 Kinder und Jugendliche wurden im Rahmen der Vollen
Erziehung betreut. Die Ausgaben der Kinder- und Jugendhilfe für
Unterstützung der Erziehung, Volle Erziehung und Hilfen für junge
Erwachsene lagen bei insgesamt 1.060,9 Mio. Euro (das sind 154 Mio.
Euro bzw. 17% mehr als 2023). Drei Viertel der Ausgaben entfielen auf
die Volle Erziehung, ein Viertel auf Unterstützung der Erziehung. Die
genannten Zahlen stammen aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik
2024 der Statistik Austria, verfasst im Auftrag des
Bundeskanzleramtes.

Seit Jahren machen der Österreichische Dachverband der Kinder-
und Jugendhilfe, die Kinder- und Jugendanwaltschaft sowie viele (
ehemalige) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinder- und
Jugendhilfe bereits darauf aufmerksam, dass es vor allem im Bereich
der Fremdunterbringung zu äußerst prekären Situationen kommt. Die
Wartezeiten seien viel zu lang, die bestehenden Einrichtungen
überfüllt und es gebe nicht genug Personal und Mittel.

Budgetäre Einschnitte, reduzierte Angebote, Schließungen

Im Lichte des aktuellen Budgetdrucks kommt es derzeit zu
erheblichen Einschnitten in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Besonders heftig sind die diese beispielsweise bei der Kinder- und
Jugendhilfe im Bundesland Salzburg . Die Politik rechnet dort für
2026 mit Kostensteigerungen von 3,86 %, erhöht die Tagsätze im Sektor
aber nur um 2 %. Das bedeutet eine Unterfinanzierung der
Trägerorganisationen, da sie die steigenden Kosten, vor allem im
Personalbereich, aber auch bei Energie, Lebensmitteln und
pädagogischen Initiativen kaum kompensieren können. Die betreuten
Kinder und Jugendlichen sind doppelt betroffen: weniger Personal,
weniger Betreuungsqualität. Wichtige pädagogische Projekte, Ausflüge
und individuelle Fördermaßnahmen bleiben auf der Strecke.

Auch die offene Jugendarbeit leidet in vielen Regionen
Österreichs unter den Sparmaßnahmen. „ Angebote werden reduziert und
teilweise sogar eingestellt , Öffnungszeiten und Angebote von
Jugendzentren werden minimiert, ja ganze Standorte stehen vor dem
Aus. Das hat direkte Auswirkungen auf jene Kinder und Jugendlichen,
die gerade in diesen Strukturen Stabilität, Orientierung und
verlässliche Bezugspersonen finden. Brechen diese Angebote weg,
bedeutet das eine noch höhere Belastung für das System der Kinder-
und Jugendhilfe , das ohnehin schon am Limit arbeitet“, erläutert
Hilfswerk-Expertin Ecker.

Kinder- und Jugendschutz steht nicht zur budgetären Disposition!

„Für das Hilfswerk dürfen Kinder- und Jugendschutz keinesfalls
zur budgetären Disposition stehen. Wir fordern die politisch
Verantwortlichen auf, ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen
und das Kindeswohl nicht auf dem Altar der Budgetsanierung zu opfern.
Die Kinder- und Jugendwohlfahrt braucht genügend Betreuungsplätze,
ausreichend Personal und planbare finanzielle Rahmenbedingungen. Das
sind wir unseren Kindern schuldig “, so Ecker abschließend.

Über das Hilfswerk

Das Hilfswerk Österreich ist mit seinen Landes- und Teilverbänden
einer der größten gemeinnützigen Anbieter gesundheitlicher, sozialer
und familiärer Dienste in Österreich. Im elementarpädagogischen und
außerschulischen Bereich betreuen derzeit etwa 2.500 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter rund 20.000 Kinder und Jugendliche in mehr als 650
Einrichtungen .

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