Wien (OTS) – Seit fast fünf Jahren hat Österreich kein gültiges
Klimaschutzgesetz.
Zuletzt zeigten der Entwurf des Klimagesetzes und auch das
geschrumpfte Klimakapitel im Regierungs-programm deutlich:
Klimaschutz ist auf der Prioritätenliste der Regierung nach unten
gerutscht ist. Dabei sind die Folgen der Klimakrise längst Teil der
Lebensrealität junger Menschen – sie spüren die Auswirkungen schon
heute.
Deshalb haben sich heute vor dem Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und
Wasserwirtschaft die Organisationen Alpenvereinsjugend, Fridays For
Future, Pfadfinder*innen Österreich, Naturfreundejugend,
Jugendbiodiversitätsnetzwerk, Katholische Jugend und Katholische
Jungschar – sowie die Bundesjugendvertretung versammelt. Gemeinsam
fordern sie ein starkes Klimaschutzgesetz mit klaren verbindlichen
Zielen und dem Bekenntnis zur Klimaneutralität bis 2040.
Die Politik muss jetzt Verantwortung übernehmen, denn Kinder und
Jugendliche haben das Recht, in einer gesunden Umwelt aufzuwachsen
und zu leben. Mit öffentlichkeits-wirksamen Aktionen haben die
Organisationen schon im Vorfeld auf die Dringlichkeit ihres Anliegens
aufmerksam gemacht. In einem offenen Brief wenden sie sich nun direkt
an die Bundesregierung und an Klimaschutzminister Mag. Norbert
Totschnig:
Offener Brief an die Bundesregierung und an Klimaminister Norbert
Totschnig
Sehr geehrte Bundesregierung,
sehr geehrter Herr Klimaminister Mag. Totschnig,
als breites Bündnis österreichischer Kinder- und
Jugendorganisationen – Alpenvereinsjugend, Fridays For Future,
Pfadfinder*innen Österreich, Naturfreundejugend,
Jugendbiodiversitätsnetzwerk, Katholische Jugend Österreich und
Katholische Jungschar Österreich – sowie der Bundesjugendvertretung ,
die rund drei Millionen junge Menschen vertritt, fordern wir ein
verbindliches und wirksames Klimaschutzgesetz.
Wie der aktuelle Sachstandsbericht zum Klimawandel zeigt, ist
Österreich besonders betroffen. Die Klimakrise mit ihren konkreten
Auswirkungen trifft uns jetzt und direkt – mit steigenden
Temperaturen über dem globalen Durchschnitt, Extremwetter,
schmelzenden Gletschern, brüchigen Wegen und gefährdeten
Hüttenstandorten, Hitzebelastung, Artensterben und steigender
Unsicherheit. Doch während uns die Realität einholt, fehlt der
politische Mut, Verantwortung zu übernehmen. Ohne klare Regeln und
Kontrolle bleibt Klimaschutz in Österreich unverbindlich – und damit
wirkungslos.
Als alpine, ökologische, kirchliche sowie gemeinnützige Kinder-
und Jugendorganisationen und als gesetzlich verankerte
Interessenvertretung aller Kinder und Jugendlichen in Österreich
tragen wir Verantwortung für junge Menschen, die schon heute von der
Klimakrise betroffen sind. Ein stabiles Klima ist nicht nur
Voraussetzung für unsere Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, sondern
die Grundlage für vielfältige Lebensräume, die akut gefährdet sind.
Politik muss handeln: Klimaschutz jetzt – für junge Menschen,
Natur & Zukunft
Mut zum Handeln ist jetzt dringend gefragt. Dies bedeutet heute:
Klimaschutz als Gesetz mit klaren Zielen endlich verbindlich zu
machen. Wir fordern von der Politik dieselbe Entschlossenheit, die
wir als junge Menschen täglich (vor)leben: Verantwortung übernehmen,
bevor es zu spät ist. Bei unseren Angeboten fördern wir einen
respektvollen Umgang mit der Natur, den Schutz von Ressourcen, das
Verständnis für unsere Umwelt und Selbstwirksamkeit, indem wir
handeln statt nur zu reden. Klimaschutz bedeutet für uns, Menschen
und Natur zu schützen und klimafreundliches Handeln zu unterstützen.
Wir fordern ein verbindliches Klimaschutzgesetz, das nicht nur
schützt, sondern Kinder und Jugendliche aktiv beteiligt – unsere
Stimmen und Perspektiven müssen gehört werden, denn wir sind nicht
nur Betroffene, sondern Akteur*innen unserer eigenen Gegenwart und
Zukunft. Die ökologischen Kinderrechte müssen gesetzlich verankert
werden, um Umwelt- und Klimaschutz endlich mit Kindern und ihren
Rechten strukturell in Verbindung zu setzen.
Für uns steht außer Frage – ein Klimaschutzgesetz für Österreich
muss folgende Eckpfeiler ernst gemeint umfassen:
1.
Verbindliches Ziel – Klimaneutralität bis 2040:
Die Regierung hat sich bereits zur Klimaneutralität 2040 im
Koalitionsprogramm bekannt – jetzt braucht es ein Gesetz, das dieses
Ziel auch rechtlich absichert. Das bedeutet: einen klaren Zielpfad
mit jährlichen Zwischenzielen, der zeigt, ob Österreich auf Kurs ist.
1.
Sektorziele und Folgen bei Verfehlungen:
Um sicherzustellen, dass die Ziele eingehalten werden, müssen
diese verbindlich sein. Wir fordern klare Verantwortlichkeiten in
allen Sektoren – Energie, Verkehr/Mobilität, Gebäude, Landwirtschaft,
Industrie. Werden Klimaziele verfehlt, müssen Maßnahmen nachgebessert
und die Kosten dafür getragen werden. Wer übererfüllt, soll davon
profitieren. So wird Klimaschutz gerecht und nachvollziehbar.
1.
Öffentlicher Klimafahrplan:
Ein wirksames Gesetz braucht jährliche Emissionsbudgets und
verbindliche Maßnahmen für alle Sektoren. Dieser Klimafahrplan muss
öffentlich zugänglich, überprüfbar und nachvollziehbar sein.
1.
Unabhängiges Monitoring:
Eine von der Regierung unabhängige Stelle muss mit den nötigen
finanziellen Mitteln ausgestattet werden, um die einzelnen Sektoren
zu kontrollieren, Daten zu veröffentlichen und Empfehlungen
auszusprechen. Dazu gehört auch ein explizites Kinderrechte-
Monitoring, das die Auswirkungen der einzelnen Maßnahmen in den
Sektoren auf Kinder und Jugendliche feststellt.
1.
Rechtsschutzsicherung:
Als Zivilgesellschaft brauchen wir rechtliche Sicherheit, um
wirksam zu werden, wenn das Klimaschutzgesetz nicht ausreichend
schützt und Ziele verfehlt werden. Zusätzlich zu einem verbindlichen
Klimaschutzgesetz muss das Recht auf Klimaschutz in der
österreichischen Verfassung festgeschrieben werden. Nur so kann die
Zukunft von Kindern und Jugendlichen sicher und inklusiv gestaltet
werden.
Die weltweiten Rückschritte im Klimaschutz machen ein schnelles
und klares Handeln der österreichischen Regierung umso wichtiger.
Auch der Klimajugendrat der Bundesjugendvertretung im Oktober 2025
hat erneut gezeigt, dass junge Menschen eine mutige Klimapolitik
fordern und auf mehr Tempo bei der Umsetzung von Maßnahmen drängen.
Wir alle müssen dem Klimawandel entschieden entgegentreten. Doch
insbesondere Sie, sehr geehrte Bundesregierung und sehr geehrter Herr
Klimaminister Mag. Totschnig, stehen in der Pflicht: Sie tragen große
Verantwortung gegenüber der jungen Generation und dem Schutz unserer
Lebensgrundlagen. Wir erinnern Sie an Ihre im Koalitionsprogramm
gegebenen Versprechen – und fordern, dass diese nun endlich umgesetzt
werden.
Nur wenn jetzt gehandelt wird, können wir eine gerechte und
lebenswerte Zukunft für die jungen Menschen von heute und für
kommende Generationen sichern. Wir erwarten von Ihnen die notwendigen
Schritte, um dieses Ziel im KlimaSCHUTZgesetz verbindlich zu
verankern und damit Realität werden zu lassen, und stehen zum Dialog
bereit.
Mit freundlichen Grüßen
Alpenvereinsjugend
Fridays For Future
Pfadfinder*innen Österreich
Naturfreundejugend
Jugendbiodiversitätsnetzwerk
Katholische Jugend Österreich
Katholische Jungschar Österreich
Bundesjugendvertretung