Freizeit

Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien nimmt Stellung zur Gesundheitsreform

Wien (OTS) – In der Nacht auf Mittwoch wurde von der
Reformpartnerschaft,
bestehend aus Bundesregierung, Ländern und Gemeinden, eine Einigung
zur Gesundheitsreform erzielt. Die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in
Wien äußert sich in einer ersten Stellungnahme zu den beschlossenen
Eckpunkten. In den letzten Wochen und Monaten gab es zahlreiche
Gespräche der Kammerspitze mit allen Stakeholdern des
Gesundheitssystems, in denen die Standpunkte und Vorschläge
diskutiert und präsentiert wurden. Johannes Steinhart, Präsident der
Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien: „Es ist weithin bekannt, dass
eine Reform des Gesundheitssystems notwendig ist. Für die konkrete
Umsetzung bedarf es nun der Einbeziehung der Ärzteschaft, denn wir
Ärztinnen und Ärzte kennen das System am besten, da wir täglich darin
arbeiten. Für notwendige Reformschritte haben wir bereits Konzepte
ausgearbeitet, die nun umgesetzt werden können.“

Kammer für raschen Ausbau der ambulanten Versorgung

Als durchaus begrüßenswert bezeichnet Eduardo Maldonado-González,
Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Kammer für
Ärztinnen und Ärzte in Wien, unter anderem den Punkt der
langfristigen Gesundheitsplanung von 15 Jahren. „Das Spitalskonzept
2040 der Kammer setzt ohnehin auf eine längerfristige Planung im
Gesundheitssystem“, so Maldonado-González. „Einige der nun
präsentierten Punkte der Reformpartnerschaft Gesundheit finden sich
auch in unserem Papier wieder. Wie die Festlegung klarer Schwerpunkte
und hochspezialisierter Leistungen von Krankenhäusern sowie den
forcierten Ausbau von ambulanten und tagesklinischen Behandlungen“,
erklärt der Vizepräsident. „Wichtig ist, dass der Ausbau des
ambulanten Gesundheitswesens schnell umgesetzt wird, um die
Spitalsambulanzen tatsächlich zu entlasten.“ Schlussendlich geht es
um die Patientinnen und Patienten, die gut versorgt werden wollen.
Wenn im Spital reduziert wird, muss die tagesklinische und
niedergelassene Versorgung verstärkt werden.
„Wir haben jedenfalls mit unserem Spitalskonzept 2040 umsetzbare
Ideen erarbeitet, die sowohl die Perspektive der Menschen
miteinbezieht, die täglich im Spitalssystem arbeiten, als auch jene
der Patientinnen und Patienten, die auf eine bestmögliche
medizinische Versorgung angewiesen sind“, sagt der Kurienobmann.

Flexibilisierung der Kassenverträge und Facharztzentren

Mit der geplanten Flexibilisierung der Kassenverträge wird einer
der zentralsten Wünsche der Ärzteschaft realisiert, für den sich
Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Obfrau der Kurie
niedergelassene Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien,
seit langem eingesetzt hat. „Dass nun durch neue
Teilkassenvertragsmodelle die Teilung von Kassenstellen,
Vormittagsordinationen und andere flexible Formen der Zusammenarbeit
ermöglicht werden, ist eine bedeutende Entwicklung für den Ausbau des
niedergelassenen Bereichs. Auf diese Weise wird es gelingen, mehr
Ärztinnen und Ärzte ins Kassensystem zu holen, die Versorgung zu
verbessern und Wartezeiten zu verkürzen“, ist Kamaleyan-Schmied
überzeugt.
Eine moderne Gesundheitsversorgung beruht auf dem Zusammenspiel von
Einzelordinationen, Gruppenpraxen und Primärversorgungseinheiten (PVE
). Die Stärkung der Primärversorgung und der Ausbau der PVE ist ein
wichtiges Element zur Versorgung der Bevölkerung. Allerdings können
Zentren nicht die Lösung aller Probleme sein. „Die Versorgung der
allermeisten Patientinnen und Patienten findet aktuell in
Einzelordinationen statt. Deshalb muss auch hier die Anstellung von
anderen Gesundheitsberufen wie zum Beispiel von Diätologinnen und
Diätologen oder Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern ermöglicht
und mit Förderungen unterstützt werden“, führt Kamaleyan-Schmied aus.
„Nur durch das Zusammenspiel mit Einzelordinationen kann die
niederschwellige und wohnortnahe ärztliche Betreuung gesichert
werden. Die Einzelordinationen bilden den Grundbaustein der
medizinischen Versorgung im niedergelassenen Bereich und sind nicht
wegzudenken. Das persönliche und langjährige Vertrauensverhältnis der
Bevölkerung zu ihren Ärztinnen und Ärzten bildet die Basis einer
guten und nachhaltigen Gesundheitsversorgung.“
Mit Hinblick auf die geplanten Facharztzentren sagt die Kurienobfrau:
„Wir haben dafür fixfertige Konzepte vorbereitet, die nur auf ihre
Umsetzung warten.“

Keine Überweisungspflicht

„Es ist ein positives Signal für alle, die im Gesundheitssystem
arbeiten, dass die politisch Verantwortlichen auf die Expertise der
Ärzteschaft gehört haben. Beispielsweise wäre die Überweisungspflicht
für Facharztordinationen zum Flaschenhals geworden. Dass diese
Maßnahme vom Tisch ist, kommt letztendlich den Patientinnen und
Patienten zugute“, sagt Steinhart. „Das gemeinsame Ziel muss sein,
die Versorgungsstrukturen so auszubauen und zu optimieren, dass
Patientinnen und Patienten bestmöglich versorgt sind und Ärztinnen
und Ärzte gerne in diesem System arbeiten.“
Jetzt sollte gemeinsam mit allen Stakeholdern und unter Einbeziehung
der ärztlichen Expertise an der Umsetzung für ein zukunftsfähiges
Gesundheitssystem gearbeitet werden. „Wir bringen uns zukünftig gerne
noch stärker in den Planungsprozess ein“, betont Steinhart.