Wien (OTS) – Der SPÖ-Parlamentsklub und das Karl-Renner-Institut
verliehen zum
zehnten Mal den Kurt-Rothschild-Preis für Wirtschaftspublizistik; das
Motto des diesjährigen Preises: „Für eine gerechte und inklusive
Wirtschaftsordnung“. Am Donnerstagabend fand im Parlament die
Verleihung statt. Den Hauptpreis erhielt Annina Kaltenbrunner,
Professorin für Globale Wirtschaft an der Leeds University Business
School, für ihre Arbeiten zu „International Financial Subordination“.
Kaltenbrunner erläuterte in ihrer Rede, welche Ansätze helfen können,
um globale Strukturen der Ungleichheit zu überwinden. ****
Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft
und Forschung und SPÖ-Frauenvorsitzende, würdigte in ihrer Laudatio
Annina Kaltenbrunner als „eine Wissenschafterin, deren Forschung den
Blick auf das große Ganze schärft“. Forschung soll demnach „nicht nur
beschreiben, sie soll Möglichkeiten aufzeigen. Das macht Annina
Kaltenbrunner mit ihren Arbeiten“. Es gebe Alternativen und es gebe
inklusivere Finanzarchitekturen. Die wissenschaftliche Arbeit von
Annina Kaltenbrunner sei unmittelbar anschlussfähig für die
politische Praxis von Ministerien, Zentralbanken,
Entwicklungsagenturen, so Holzleitner.
Annina Kaltenbrunner betonte, wie wichtig es sei, dass der Kurt-
Rothschild-Preis die progressive, plurale Ökonomie in den Mittelpunkt
stellt. Pluralismus und Dependenztheorie zeigen, wie Länder des
Globalen Südens durch ihre strukturell untergeordnete Position im
globalen Währungs- und Finanzsystem in ihrer wirtschaftlichen
Entwicklung behindert werden. An der Spitze dieses Systems stehen die
Währungen der USA, der EU und zunehmend auch jene Chinas.
Ein zentrales Problem sei es, dass diese Staaten sich nicht in
ihrer eigenen Währung verschulden können, sondern (vorwiegend) Dollar
-Kredite aufnehmen müssen. Das führt bei einer Abwertung der
Landeswährung gegenüber dem Dollar zu immensen Problemen mit direkten
Auswirkungen auf die wirtschaftliche Struktur der Staaten, die dann
einen Gutteil ihrer Erlöse aus Exporten für Rückzahlung der Schulden
aufwenden müssen. Ein weiteres Hemmnis für die wirtschaftliche
Entwicklung liege darin, dass für Kredite in der Landeswährung oft
sehr hohe, weit über die Risikoabsicherung hinausgehende Zinsen
verlangt werden.
Diesen Problemlagen entsprechend skizzierte Kaltenbrunner auch
Lösungsansätze. Ein Ansatz wäre, die lokalen Finanzsysteme von den
internationalen zu lösen; so könne lokale Kreditvergabe den
Geldschöpfungsmechanismus auslösen. Nebenbedingung: Die Akteure
müssen den Anlagen vertrauen und die Zinsen dürfen nicht
überschießend hoch sein. Funktionierende Banken seien die Basis,
weshalb der Staat hier eingreifen solle. Auch internationale
Entwicklungsbanken könnten hier unterstützen.
Weiters könnten Swap-Lines helfen, die es ermöglichen, dass
Staaten über die Vereinbarungen zwischen Zentralbanken kurzfristig
Liquidität in einer Fremdwährung erhalten. Derzeit gebe es eine
solche Vereinbarung allerdings für keinen Staat des Globalen Südens.
Und schließlich plädiert Kaltenbrunner für Risikoteilung. Derzeit
würde das gesamte Risiko auf die Länder des Globalen Südens
überwälzt. Ein Vorschlag ist, dass z.B. Entwicklungsbanken einen Teil
des Risikos übernehmen.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Dritten
Nationalratspräsidentin und Präsidentin des Karl-Renner-Instituts,
Doris Bures, und dem stellvertretenden SPÖ-Klubvorsitzenden Jan
Krainer.
Bures sprach die großen Herausforderungen des
Wirtschaftsstandorts Europa und Österreich an. Bezogen auf Österreich
erwähnte sie das schwere budgetäre Erbe, dass die Vorgängerregierung
hinterlassen habe. Der gesellschaftliche Zusammenhalt werde durch
Extremismus und Populismus angefochten. Alle Kurt-Rothschild-
Preisträger:innen gingen auf ganz aktuelle und akute
gesellschaftliche und wirtschaftliche Problemlagen ein. „Es geht uns
allen darum, die Gesellschaft besser und freier zu machen“, sagte
Bures.
Jan Krainer dankte den Wissenschafter:innen für ihre Beiträge und
erläuterte, wieso der SPÖ-Parlamentsklub diesen Preis gemeinsam mit
dem Karl-Renner-Institut ins Leben gerufen habe: “Weil die
Wissenschaft von heute Basis für die Politik von morgen ist – oder es
zumindest sein sollte.”
Jakob Kapeller, Professor für Sozioökonomie an der Universität
Duisburg-Essen, ist der Vorsitzende der Jury. Er hat erklärt, dass
das Werk von Kurt Rothschild „ein wichtiger Orientierungspunkt
insbesondere für junge Ökonom:innen ist“. Die Neigung von Rothschild,
immer auf konkrete, aktuelle gesellschaftliche und wirtschaftliche
Problemlagen zu schauen und Lösungen zu suchen, „machte ihn zu einem
Leuchtturm in seinem Fach“.
Neben dem Hauptpreis wurden folgende Wissenschafterinnen und
Wissenschafter für ihre herausragenden Arbeiten ausgezeichnet:
Hagen Krämer, Hochschule Karlsruhe, „Jenseits des
Neoliberalismus: Perspektiven für einen sozialen Kapitalismus”
Stephan Pühringer, Matthias Aistleitner, Lukas Cserjan, Sophie
Hieselmayr, Johannes Kepler Universität Linz, „Netzwerke der
Superreichen: Die Politische Ökonomie des Überreichtums in
Österreich”
John Tomaney, Lucy Natarajan, Sarah Chaytor, Florence Sutcliffe-
Braithwaite, Dimitrios Panayotopoulos-Tsiros, Siobhan Morris, Myfanwy
Taylor, Maeve Blackman, Katherine Welch, University College London,
„Social infrastructure and ‘left behind places‘”
Anna Schwarz, Central European University, „Im Schatten des
Haushalts: Wie Haushaltsdynamiken die geschlechtsspezifische
Erwerbsarmut in Europa prägen”
Christina Siegert, Universität Wien, „Armutsgefährdung von Frauen
in Paarhaushalten: Ein blinder Fleck der Armutsforschung”
Alle Informationen zu den ausgezeichneten Wissenschafter:innen
und ihren Arbeiten finden Sie hier:
https://renner-institut.at/veranstaltungen/kurt-rothschild-preis-
2025
Über den Kurt-Rothschild-Preis
Der Preis wurde im Jahr 2016 vom SPÖ-Parlamentsklub und dem Karl-
Renner-Institut ins Leben gerufen und wird heuer zum zehnten Mal
vergeben. Er steht in der Tradition seines Namensgebers, des großen
Ökonomen Kurt Rothschild. Ausgezeichnet werden Forscher:innen für
wirtschaftspublizistische Arbeiten, die in der Wissenschaft
Anerkennung finden und mit innovativen Lösungen für wirtschaftliche
und gesellschaftliche Fragen öffentliche Diskussionen anstoßen. (
Schluss) wf/bj