Wien (OTS) – Zwei Monate nach Inkrafttreten der Umsatzsteuersenkung
auf
ausgewählte Grundnahrungsmittel zieht das Bundesgremium des
Lebensmittelhandels in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) ein
erstes Resümee. Trotz einiger Stolpersteine bei der Umsetzung konnte
die Umstellung im Handel erfolgreich und weitgehend reibungslos
durchgeführt werden.
Obmann Christian Prauchner: „Eine der größten Herausforderungen
bei der Umsetzung war die Abgrenzung der Produkte, für die der
reduzierte Umsatzsteuersatz gilt. Für den Lebensmittelhandel wäre es
wesentlich einfacher und administrativ effizienter gewesen, den
Steuersatz auf alle bisher mit zehn Prozent besteuerten Lebensmittel
einheitlich zu senken. Das hätte die Umstellung deutlich erleichtert
und viele Abgrenzungsfragen von vornherein vermieden. Dass dieser Weg
nicht gewählt wurde, dürfte vor allem dem dafür notwendigen
budgetären Spielraum geschuldet sein.“
Positiv bewertet der Lebensmittelhandel ausdrücklich die
Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Finanzen. Offene
Abgrenzungs- und Umsetzungsfragen des Handels seien zügig behandelt
und beantwortet worden. Dadurch konnten viele praktische Fragen noch
rechtzeitig vor der Umstellung geklärt werden.
Prauchner dankt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
Besonders hebt Prauchner den Einsatz der Beschäftigten im
Lebensmittelhandel hervor. In den Tagen und Wochen vor der Umstellung
mussten in kürzester Zeit zahlreiche Preise, Kassensysteme,
Warenwirtschaftsdaten und Kennzeichnungen angepasst und kontrolliert
werden.
„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben in den Wochen vor
der Umstellung Unglaubliches geleistet. Eine solche Änderung betrifft
im Lebensmittelhandel eine enorme Zahl an Artikeln und Prozessen und
muss gleichzeitig im laufenden Betrieb umgesetzt werden. Dass die
Umstellung für die Kundinnen und Kunden so reibungslos funktioniert
hat, ist vor allem ihrem Einsatz zu verdanken. Dafür möchte ich allen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im österreichischen
Lebensmittelhandel ganz persönlich danke sagen“, so Prauchner.
Steuersenkung kommt vollständig bei den Konsumenten an
Die ersten verfügbaren Zahlen bestätigen aus Sicht des
Lebensmittelhandels zudem, dass die Umsatzsteuersenkung dort
angekommen ist, wo sie ankommen sollte: bei den Konsumentinnen und
Konsumenten.
„Der Lebensmittelhandel gibt die Umsatzsteuersenkung vollständig
und ohne Wenn und Aber weiter. Die bisherigen Preiserhebungen
bestätigen das eindeutig“, betont Prauchner. „Auch die aktuellen
Inflationsdaten bei Lebensmitteln sind erfreulich und zeigen, dass
die Maßnahme wirkt.“
Gleichzeitig weist Prauchner darauf hin, dass der
Lebensmittelhandel bereits vor der Umsatzsteuersenkung über weite
Strecken preisdämpfend gewirkt hat:
„Mit Ausnahme weniger Monate, in denen außergewöhnliche Engpässe
und Kostensteigerungen zu bewältigen waren, lag die Preisentwicklung
im Lebensmittelhandel zuletzt stets unter der Gesamtinflation. Der
intensive Wettbewerb zwischen den Handelsunternehmen hat damit
wesentlich dazu beigetragen, den allgemeinen Preisauftrieb zu
dämpfen.“
Internationale Risiken bleiben erheblich
Die derzeit stabile Situation dürfe allerdings nicht darüber
hinwegtäuschen, dass die weitere Entwicklung der Lebensmittelpreise
von zahlreichen Faktoren abhängt, auf die der österreichische
Lebensmittelhandel keinen oder nur sehr begrenzten Einfluss hat.
Ernteausfälle und zunehmende Wetterextreme stellen erhebliche
Unsicherheitsfaktoren dar. Hinzu kommen die geopolitischen Spannungen
und ihre Auswirkungen auf Energie-, Rohstoff- und Transportkosten.
Auch die Zerstörung großer Teile der ukrainischen Getreide- und
Exportinfrastruktur birgt Risiken für die Preisentwicklung auf den
internationalen Agrarmärkten.
„Derzeit ist die Lage stabil, und das ist eine gute Nachricht für
die Konsumentinnen und Konsumenten. Wir dürfen aber nicht den Fehler
machen, daraus eine Garantie für die kommenden Monate abzuleiten“,
erklärt Prauchner. „Wenn Ernten ausfallen, Energie, Dünger oder
Verpackungen teurer werden oder internationale Lieferwege
beeinträchtigt sind, schlägt sich das früher oder später auch in den
Erzeuger- und Einstandspreisen nieder.“
Wettbewerb bleibt stärkste Preisbremse
Sollten die Erzeuger- und Einstandspreise in den kommenden
Monaten wieder steigen, werde der intensive Wettbewerb im
österreichischen Lebensmittelhandel weiterhin dafür sorgen, dass
Kostensteigerungen nicht automatisch zu höheren Margen führen.
„Der Wettbewerb im österreichischen Lebensmittelhandel ist enorm.
Gerade in den vergangenen Krisenjahren hat sich gezeigt, dass
steigende Beschaffungskosten nicht zu einer Ausweitung der Margen
geführt haben. Der Handel steht täglich im Wettbewerb um die
Kundinnen und Kunden und damit auch um den besten Preis“, sagt
Prauchner.
Die Wettbewerbsintensität und die Margenentwicklung im
Lebensmittelhandel wurden von der Bundeswettbewerbsbehörde bereits
eingehend untersucht. Dabei stellte die Behörde fest, dass die
Gewinnmargen und Handelsspannen des Lebensmitteleinzelhandels im
Untersuchungszeitraum nicht systematisch angestiegen sind und es
keine Hinweise auf eine inflationsbedingte Ausweitung der
Handelsspannen gab.
Bürokratie als zusätzlicher Kostentreiber
Vor diesem Hintergrund erneuert Prauchner seine Forderung nach
einem konsequenten Bürokratieabbau: „Wenn wir Lebensmittel für die
Menschen leistbar halten wollen, müssen wir auch über jene Kosten
sprechen, die durch immer neue Auflagen und zusätzliche Bürokratie
entstehen. Bestehende bürokratische Belastungen gehören gezielt
abgebaut, statt laufend neue zu schaffen. Das gilt auch für die
zuletzt immer wieder diskutierte Idee einer Datenbank zur
Margenkontrolle. Sie würde dem Handel zusätzliche Kosten in
Millionenhöhe verursachen, ohne einen erkennbaren Mehrwert für die
Konsumentinnen und Konsumenten zu schaffen. Am Ende droht ein
millionenteurer Datenfriedhof, der viel Bürokratie produziert, aber
kein einziges Lebensmittel billiger macht.“
Erfreuliche Zwischenbilanz – internationale Risiken bleiben
Prauchner abschließend: „Zwei Monate nach der Umsatzsteuersenkung
können wir eine positive erste Bilanz ziehen: Die Umstellung ist
gelungen, die Steuersenkung wurde vollständig weitergegeben und die
aktuelle Preisentwicklung bei Lebensmitteln ist erfreulich. Unser
Dank gilt vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die diese
Umstellung möglich gemacht haben. Gleichzeitig müssen wir die
internationalen Entwicklungen genau beobachten. Die Konsumentinnen
und Konsumenten können sich aber darauf verlassen, dass der
Lebensmittelhandel auch künftig alles daransetzen wird,
Preissteigerungen abzufedern und Lebensmittel zu attraktiven Preisen
anzubieten.“ (PWK411/DFS)